Geradeaus in die 30er…

Vom Gastautor Damian

In der Fiat Welt entsteht Geld mit neuen Krediten. Mit einiger Verzögerung, wenn das neu geschöpfte Geld zum Umlauf kommt, entsteht Inflation. Insbesondere seit den 80er wurden so viele Kredite vergeben, die in der letzten Phase über den Umweg Hausfinanzierung in den Konsum gingen, dass die aktuelle industrielle Welt überschuldet ist. Seit dem die Häuserblase 2007 in den USA platzte und die Kreditvergabe fast zum Stillstand kam, kommt es zu schwächender Nachfrage. Durch die absolut und stetig sinkende Beschäftigungszahl und somit das sinkende pro Kopf Einkommen, kommt es zu weiterer Nachfrageschwäche.
Die Nationalstaaten versuchten mit Konjunkturhilfen sowohl die Nachfrage zu stimulieren, als auch den schwächenden Banken, die auf vielen geplatzten Krediten sitzen, zur Hilfe zu kommen. Resultat war, dass zusätzlich zu den überschuldetet Verbrauchern mehr und mehr Staaten ein Stadium der Überschuldung erreichten.

Staaten, die wesentlich in der eigenen Währung verschuldet sind, z.B. USA, GB, Japan sind in der Lage diese Verschuldung weiter auf die eigene Notenbank auszuweiten, die ja unbegrenzt mit frischen Geld die Staatsanleihen kaufen kann. Durch die so erweiterte Kreditvergabe der öffentlichen Hand wird die Kreditschrumpfung, also Geldvernichtung, der Privaten kompensiert, so dass letztendlich keine Deflation entsteht und die Arbeitslosigkeit sich in Grenzen hält. Eine Entschuldung der Staaten wird in der Zukunft entweder durch stetige maßvolle Inflation (geschichtlich gesehen höhere Wahrscheinlichkeit in den USA) oder durch simple Streichung der Anleihen aus den Bücher der Notenbank geschehen (eher Japan). Oder Beides.

Staaten, die in einer Fremdwährung verschuldet sind bzw. in einer Währung, die sie nicht direkt kontrollieren, z.B. Griechenland, Spanien, Italien usw. sind nicht in der Lage neue Anleihen zu Minikonditionen zu drucken und diese in die Bücher der Notenbank zu platzieren. Dadurch können sie die Kreditvergabe (also die Geldmenge) nicht ausweiten, damit die kontraktierenden Kredite der Privaten, z.B. durch Rückzahlung bzw. (Haus)Pleiten ausgeglichen werden. Resultat ist eine Kreditklemme, die über nachlassende Investitionen bzw. Konsum zur schrumpfenden Wirtschaft und damit zur hohen Arbeitslosigkeit führt. Der Teufelskreis wird damit nur verlängert und die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass der Staat die Anleihen nicht bedienen kann. Die Entschuldung geschieht entweder durch Schuldenschnitt oder Staatspleite. Oder Beides.

Wenn in USA nach den Wahlen versuchen ihren Haushalt zu konsolidieren, also die Staatsausgaben gekürzt und die Steuern erhöht werden, wird die 2013er Rezession keine milde, sondern eher mit der 2008er zu vergleichen sein. Spätestens dann wird die FED weitere QEs, die im Volumen die Aktuellen um einiges übertreffen, durchführen, damit die USA neue, Billionenschwere Unterstützungsprogramme auflegen können.

Euroraum steuert momentan geradeaus in die 30er Jahre. Damit der Euro als Währung und somit die Europäische Union als Friedensgarant erhalten bleibt, bedarf es in der gesamten EU-Raum einer aktiven Wachstums- und Beschäftigungspolitik. Diese kann nur so erreicht werden, dass politische und vor allem finanzielle Bundesunion (in etwa wie BRD, nur eben eine ebene höher) beschlossen wird und die EZB nach Vorbild der USA QEs gegen Investitions-Eurobonds (Bildung, Umwelt, Energie, Informationstechnologie usw.) durchführt. Inwieweit dies einen unmittelbaren Einfluss auf den Euro Wechselkurs bzw. Inflation haben muss ist ziemlich umstritten, da momentan eher auf Zerfall der EU spekuliert wird und der politischer Wille Europa zu einigen unterschätzt wird.

Zu den Märkten:
Auf kurze Sicht sehe ich für die Aktienmärkte eher Erholungspotential. Spätestens aber im Spätsommer/Herbst wird es an der Zeit sich bärisch zu positionieren, um so in das Jahr 2013 zu gehen. Sollte Gold weiter korrigieren werde ich zukaufen.

Kommentare

18 Antworten zu “Geradeaus in die 30er…”

  1. Die Themenlage erscheint so komplex, dass der Druck wächst, dass “einfache Lösungen” favorisiert werden.

    Oder dass die Menschen sich zunehmend “einfachen” Dingen widmen, die sie leicht steuerbar machen.

    Dabei denke ich z.B. an die großen sozialen Netzwerke, die sogar von kritischen Menschen genutzt werden und die sich manipulativ nutzen lassen würden.

    Das wirkt beunruhigend.

    • Gert schmidt sagt:

      Der DAX steigt und nähert sich der 6.500 Punkte-Marke.

      Klettert er darüber und steigt DOID mit, wäre das eine erste Bestätigung für die These, dass in den vergangenen Monaten der Talfahrt einige Marktteilnehmer auf der Käuferseite standen, die die Blue Chips längere Zeit halten wolen.

      • Gert schmidt sagt:

        Hier wird der DOID gezeigt:

        http://trendgedanken.de/?page_id=3010

        Allerdings erscheint es gut möglich, dass der DAX beim ersten Anlauf scheitert.

        http://www.movingmarkets.de/die-wichtigsten-indikatoren-auf-einen-blick/

        Denn der Indikator Kurs Trend Prognose Anleihen zeigt jetzt wieder stark aufwärts, was auf eine neue Stärke des Bund Futures hinweist.

        Die Kurs Trend Prognose Aktien ist gestern eingeknickt – ein Warnignal.

        Mögliches Szenario: Der DAX steigt nicht so schnell weiter, deutsche Staatsanleihen könnten zulegen.

      • Alex sagt:

        Tja, irgendwas stimmt mit den Indikatoren oder mit deren Interpretation nicht.
        So nah sind die 6500 DAX-Punkten doch nicht.

        • Gert schmidt sagt:

          In ein paar Tagen hat der DAX 500 Punkte gutgemacht. Da ist das Tageshoch heute mit 6.427 “kurz vor” 6.500. Meine persönliche Sicht.

  2. Jonny sagt:

    @Alex – frisierter Dax = frisierte Indikatoren ;-)

  3. Apropos 30er:

    Im Ulmer Stadtarchiv gibt es das Zitat einer Schrift von 1931:

    “während alle Massnahmen der Regierung usw. ihren Zweck bis jetzt verfehlten u. auch künftig verfehlen werden, weil die wirtschaftlichen Gesetze und Zusammenhänge in keiner Weise berücksichtigt werden.”

    http://web.archive.org/web/20080513045129/http://hometown.aol.de/tmirabeau/Waera.html

    • Marku G. sagt:

      Historische Aufzeichnungen zeigen eigentlich, dass die Wachstumsprozesse parallel die Voraussetzungen für den nächsten Zusammenbruch ausbilden. Darum ist die heutige Situation nichts als die logische Konsequenz aus, wahrscheinlich wiederkehrendem, menschlichem Verhalten. Der Dax hat gestern am späten Abend wieder eine auf die Mütze bekommen und wird sich heute wohl schwer tun aus der Rotzone zu kommen. Aber die heftigen Nachrichten und Daten von gestern haben die Märkte mit dem Abschlag wieder eingepreist – was soll also kurzfristig noch weiter die Kurse drücken?
      Ich tippe auf eine Aufwärtsbewegung die bis 6600 gehen kann und danach fürchte ich eine monatelange Talfahrt.

  4. H.S. sagt:

    @ GS: Der DOID ist in den letzten Tagen gestiegen und deutet auf eine bullische Ausrichtung der Anleger hin. Der Indikator Trend Prognose Aktien ist dagegen gesunken und hat sogar den Wert von 100 unterschritten. Diese Bewegung ist somit bärisch zu werten. Ist meine Lesart korrekt? Kann ich behaupten, daß der aktuelle Upmove nicht von überzeugender Nachhaltigkeit gestützt wird?

    • Jonny sagt:

      Der derzeitige Dax Upmove ist nur so lange nachhaltig, wie unsere Freunde über dem großen Teich dies wollen! Vermutlich wollte man mal wieder den ganzen deutschen Shortiestall kräftig ausmisten – und dies geht halt nur, wenn man nach oben mal brutal auf die Tube drückt. Wie lange diese Bewegung noch anhält? Schwer zu sagen! Kommt auf die Lust der Freunde aus Übersee an und ob noch genügend Shorts abgeholt werden müssen … ?

      • MACDalchow sagt:

        Nur das drüben über dem großen Teich heute schon sogut wieder jeder im Urlaub war. Eh nur Halberhandelstag und die meisten werden nicht mal dem Beiwohnt haben sondern schon mal den Grill für morgen vorheitzen.

        • Jonny sagt:

          @MAC – erst die deutschen Shorties grillen und dann gibts als Belohnung, die gegrillten Steaks zum Feiertag. Und ab Donnerstag, gehts dann weiter mit dem Haussespielchen, bis dann bei Daxstand ? alle KOs abgeräumt sind.

        • Niedrige Umsätze und wenig Beteiligung bei steigenden Kursen sind bullisch. Schließlich stehen die meisten Marktteilnehmer an der Seitenlinie. Sie werden bei schwächeren Kursen aufspringen und für eine Stabilisierung sorgen.

    • Durch den stabilen DOID ist der Aufwärtstrend intakt, richtig.

      Dass Kurs Trend Prognose Aktien fällt, signalisiert einen Konsolidierungsbedarf.

      SSI1 und SSI2 steigen und zeigen damit einen intakten Aufwärtstrend.

      A/D-Linie im neutralen bis positiven Bereich.

      “Beta und Rendite hoch” scheint etwas zufällig zu laufen.

      Kurs Trend Prognose Anleihen würde eine Aufwärtsbewegung für deutsche Staatsanleihen erlauben.

      http://www.movingmarkets.de/die-wichtigsten-indikatoren-auf-einen-blick/

      Zusammengenommen lese ich daraus: Bund Future stabil bis leicht steigend und Aktien mit vorübergehendem Rückschlagpotenzial.

      Candlestick würde 6.300 / 6.400 erlauben

      http://www.movingmarkets.de/dax-candlestick/

      Der Eurobond ist jetzt nahezu erreicht. Das wäre der Startschuss für eine Inflationierung. Insofern passt dazu der steigende DAX. Allerdings sieht das der Anleihemarkt noch nicht ganz so. Der Weg dahin scheint jedoch aufgrund der Nachrichtenlage der vergangenen Wochen vorgezeichnet.

      • Gert Schmidt sagt:

        Also: Aktien im Aufwärtstrend, Rückschlag möglich aufgrund der Indikatoren, dabei jedoch keine SHORT-Gelegenheit, sondern auf ermäßigtem Niveau eher LONG in Aktien.

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