Werte zum Kilopreis: Briefmarke “Made in Germany” für das Moving Markets Depot

Ein Neuer Markt entsteht: Postdienstleistungen.

Was auf den ersten Blick wie eine Zeitungsente wirkt, hat einen ernsten Hintergrund: Die Deutsche Post AG wird bis Ende 2011 ihr Filialnetz aufgeben, so dass sich der Markt für Briefdienste öffnen wird. So bietet bald die ”GenoPost e.G.” bei den Volks- und Raiffeisenbanken standardisierte Postprodukte an, um die entstehenden Marktlücken zu schließen. Der Genossenschaftsverbund freut sich auf neue Kunden und die Kunden haben weiterhin ihre Postfiliale in der Nähe, weil das Netz der Institute bis in kleinste Ortschaften reicht.

Damit gelingt es der unscheinbaren Briefmarke, bis ins Bankgeschäft vorzudringen.

Der  Trendgedanke dabei: Mit Auflösung des traditionellen Postgeschäfts gerieten in den vergangenen Jahren die Preise für Sammlerwerte massiv unter Druck. Mit der neuen Entwicklung könnte der Turnaround in Gang gesetzt werden.

Für antizyklisch angierende Investoren stellt der Briefmarkenmarkt ein Paradies dar: Niemand interessiert sich für die bunten Blättchen. Große Pakete von Sammlungen wechseln zum Schrottpreis den Besitzer – der ideale Zeitpunkt, um einzusammeln.

Das dachte sich möglicherweise auch die Deutsche Bank, als sie sich dem Markennamen ”Post” näherte. Sie teilt sich künftig zusammen mit der Post AG (und weiteren Aktionären) den Besitz an der Postbank.

Das alles, sowohl die Aktivitäten der GenoPost, als auch die Dt. Bank/Post-Kooperation, eröffnet vielfältige Kooperationen für alle Beteiligten – möglicherweise sogar den professionelleren Ausbau des Briefmarkengeschäfts.

Gelingt es den Banken, die Stimmung in Sammlerkreisen zu verbessern und die Marken vom verstaubten Image zu befreien, könnten sich  – von aktuellen Tiefstpreisen ausgehend – erhebliche Wertsteigerungen entwickeln.

Dass es sich lohnt, dort genauer hinzuschauen, sehen Sie anhand des nachfolgenden Beispiels. Es ist sogar für Börsianer interessant:

Sie sehen die Vergrößerung des Sonderpostwertzeichens vom 14.07.1988, Titel “Made in Germany” und den vorzüglich gestempelten Aufdruck des Erstausgabetags.

Ersttagsblatt vom 14.07.1988, Made in Germany

Welch ein Schatz für deutsche Ingenieure!

Denn mit der neuen Bezeichnung “Made in EU” könnte das Jahrzehnte alte Label “Made in Germany” langfristig verschwinden. Schon 2004 wurde darüber heftig diskutiert. Europa wächst zusammen, und in einigen Jahren Jahren könnte das deutsche Qualitätssiegel gegen die europäische Variante ausgetauscht werden.

Dazu könnte auch die aktuelle Krise beitragen: “Made in Germany” entwickelte sich insbesondere in den letzten Jahrzehnten des vergangenen Jahrhunderts zu einem Schwungrad für den Export. Ursprünglich sollte das Markenzeichen als Verkaufsbremse dienen: Großbritannien wollte Patrioten an langeseigene Produkte binden. Damit deutsche Produkte unverkäuflich in den Regelen liegenblieben, mussten Waren aus Deutschland gekennzeichnet werden. Ende des 19. Jahrhunderts kämpfte man in der Wirtschaft noch offen und mit harten Bandagen.

Das Bundesministerium für Wirtschaft schrieb 1988 zur Briefmarke:

“Mit der Ausgabe des Sonderpostwertzeichens zum Thema “Made in Germany” soll daher nicht nur der hohe Standard deutscher Industrieerzeugnisse gewürdigt werden, sondern auch die Bedeutung eines von Beschränkungen freien Welthandels hervorgehoben werden.”

Das Motiv zeigt eine Schublehre mit einer “Mutter” und die deutschen Nationalfarben als Sinnbild für deutsche Präzisionsarbeit, für Qualität und Zuverlässigkeit.

Entwurf: Grafikdesigner Prof. Ernst Jünger.

Die aktuellen Preise der Briefmarke und des Erststagsblatts finden Sie bei Ebay zurzeit bei 1 EUR.

Ein schwer überschaubarer Markt wartet sehnsüchtig auf neue Kunden

Die erwartete Preissteigerung lässt sich schwer abschätzen. Es ist jedoch denkbar, dass sich der Wert der Marke mit Abschaffung des “Made in Germany” erhöhen könnte, sofern das Umfeld dazu stimmt. Ein mutig zusammengekaufter Bestand könnte sich dann – viel Geduld vorausgesetzt – im Wert vervielfachen.

Beispiel: Würde jeder Trend Gedanken-Leser eine Briefmarke kaufen, wäre der Bestand bei Ebay bereits leergefegt. Der Markt ist zurzeit komfortabel für Käufer und schwierig für Verkäufer.

Bei einer schnell wachsenden Nachfrage (die z.B. ein solcher Bericht in der FAZ auslösen könnte) würde er sich kurzfristig rasch verengen. Die Händler würden angesichts der erhöhten Nachfrage die Preise anheben und die Kataloge könnten dem Papier ebenfalls einen besonderen Wert beimessen. Das könnte massive neue Verkäufe auslösen und den entstehenden Überschwang ausbremsen. Wie an der Börse kommt es auch hier auf das richtige Timing an.

Neue Briefmarken sind zurzeit praktisch wertlos. Spannend wird es dagegen, wenn die Klebezettel eine Geschichte erzählen können.

Spätestens in 10 Jahren schauen wir uns “Made in Germany”, Deutsche Bundespost, 1,40 D-Mark, an dieser Stelle noch einmal an.

Neue Strategie für die Geldanlage

Das Briefmarken-Experiment bleibt langfristig im Visier: Für das Moving Markets Depotwerden 50 virtuelle ungestempelte Briefmarken (postfrisch) gekauft: Kaufpreis 75 EUR (50 EUR für die Briefmarken + 25 EUR Versandkosten). Für die Wochenbilanz des Depots werden jeweils die tatsächlich gehandelten Ebaypreise verbucht.

Es ist geplant, weitere Briefmarken für das Moving Markets Depot zu kaufen. Sie werden in den nächsten Monaten vorgestellt.

Interessant ist das Experiment auch aus dem Gesichtspunkt, dass möglicherweise auch noch andere Publikationen den Markt für Briefmarken neu entdecken und die Sammelwelle von Münzen auf Briefmarken herüberschwappen könnte. Ebay als Handelsplatz eignet sich bestens dafür, was Sie auch anhand des Aktienkurses sehen können.

Hinweis: Der Autor dieses Textes gehört zu den hoffnungsfrohen Idealisten, die sich Ende der 80er Jahre ein Briefmarkenabonnement der Deutschen Bundespost haben “aufschwatzen” lassen und seitdem auf ein paar Kilo Papier in Kunststoffhüllen sitzen. Der Autor ist im Besitz einer einzigen ”Made in Germany” Briefmarke.

Kommentare

3 Antworten zu “Werte zum Kilopreis: Briefmarke “Made in Germany” für das Moving Markets Depot”

  1. GS sagt:

    Eine brandaktuelle Nachricht, die Sammler von 10 EUR in Silber irritieren dürfte:

    Die EU Kommission “empfiehlt” u.a., dass Euro Sammelmünzen künftig NICHT als Zahlungsmittel verwendet werden.

    http://derstandard.at/1269045687703/Empfehlung-EU-will-Geld-Verbrennen-erlauben

    http://europa.eu/rapid/pressReleasesAction.do?reference=IP/10/331&format=HTML&aged=0&language=DE&guiLanguage=en

    “Diese Empfehlung bringt praktische Vorteile für das tägliche Leben der europäischen Bürger.”

    Es ist völlig unverständlich, nach welchem Maßstab Entscheidungen in der EU getroffen werden. Es geht ein großes Stück Rechtssicherheit verloren, wenn nach Gutsherrenmanier erst etwas gestattet wird, um es nach 10 Jahren zu verbieten.

    • Anveka sagt:

      Interessant!
      Nun gut, wenn sich jemand die Zigarre mit einem 500€ Schein anzünden will, soll er doch! Das finde ich gut an den Empfehlungen. Was ist daran schon kriminell? Schlimmstenfalls arrogant.
      Die Attraktivität von gängigen Edelmetallmünzen zu schmälern- das passt ins Bild! Edelmetalle sind eine der wenigen Möglichkeiten, einer gesteuerten Enteignung (=Inflation) zu entgehen. Das sieht man natürlich nicht gerne, denn die kollektive Enteignung ist der einzig denkbare Weg aus der Schuldenkrise. Der nächste Schritt ist dann die Kriminalisierung der Edelmetallbesitzer, wenn Sie nach staatlicher Aufforderung ihre Metalle nicht gegen bedruckte Scheinchen eintauschen wollen.
      Eine 10€ Silbermünze wir aber wohl immer mindestens10€ Wert behalten, und zwar nach heutiger Kaufkraft . Nur, wenn die staatliche Garantie hierfür entfällt (Zahlungsmittel), verunsichert man potentielle Edelmetallkäufer. Das ist gewollt und sicher kein Zufall. Man darf gespannt sein!