Griechenland: Keine Besserung in Sicht

Der Deutschlandfunk veröffentlichte gestern den bemerkenswerten Brief einer Deutsch-Griechin. Sie beschreibt die Schwierigkeiten des Landes aus persönlichem Blickwinkel und berichtet dabei, was in keiner Zeitung steht.

http://www.dradio.de/dlf/sendungen/europaheute/1140930/

Daraus ein Zitat:

Als mein Vater starb, mussten wir ein Bestattungsunternehmen besorgen. Als wir zur Bezahlung kamen, hat der Bestatter zwei Alternativpreise angeboten: 4500 Euro mit Mehrwertsteuer, oder 3000 Euro ohne Mehrwertsteuer. Bei der zweiten Variante bot er uns eine Quittung über 1500 Euro an, die wir dann bei der Rentenkasse hätten einreichen können, um das Geld zurückzubekommen.

Wenn die griechische Regierung in ein solches System eingreift, werden die Bürger feststellen, dass sie die höheren Abgaben nicht für ihr eigenes Land leisten. Sie bezahlen die Zinsen an ausländische Investmentbanken, die ihre Rechte an den Schuldverträgen geltend machen.  Die Griechen werden feststellen, dass die Überschuldung ihrer Regierung ein “Pakt mit dem Teufel” war: Für die Schönheit des Augenblicks verkauften sie ihre Seele.

Zurzeit wehren sie sich gegen diese Erkenntnis. Aber die Gläubiger werden auf ablaufende Fristen verweisen – und darauf, dass die Teilnehmer des Euro helfen müssen. Entweder bezahlen die befreundeten Euro-Länder die Zeche oder die Griechen werden ihnen die Hölle heiß machen.

Es ist – wie bei Goethe – eher zu erwarten, dass die griechische Seele gerettet wird, als dass Mephisto darauf zugreifen kann. Für die ausländischen Gläubiger bedeutet das: Sie dürften ihre Forderungen nicht durchsetzen können und müssten voraussichtlich am Ende der Geschichte auf einen großen Teil ihrer Einlagen verzichten. Eine andere Faust-Interpretation finden Sie in einem Text vom 06.07.2009  bei “Verlorene Generation“.

Die betroffenen Banken können schon jetzt damit beginnen, Risikovorsorge zutreffen. Weil Griechenland nicht die einzige Baustelle ist, dürfen wir mit erheblichen Problemen in der Finanzindustrie rechnen.

Die Spekulanten werden sie nicht mehr retten, nachdem sie ins Visier der Regierungen geraten sind. Als es in den vergangenen 20 Jahren darum ging, die ungedeckten Schecks entgegen zu nehmen, waren die Spekulanten herzlich willkommen. Jetzt werden sie wie Hunde behandelt.

Dadurch könnte die Politik die nächste Stufe der Goldhausse gestartet haben: Das geplante Verbot von Derivaten und Hedging-Strategien entzieht dem System große Kapitalmengen. Indem Absicherungsgeschäfte verhindert werden, wird das Geld auch bei riskanten LONG-Positionen nicht mehr eingesetzt. Als Alternative bleiben praktisch nur Edelmetalle, weil viele Alternativen angefault in den Bilanzen liegen.

In einem solchen Umfeld sind auch Aktien, insbesondere große Blue Chips, kein lohnendes Investment mehr. Die Aufwärtsbewegung der vergangenen Tage wurde von einer großen Portion heißer Luft verursacht.