Geld liegt vor den Fenstern bereit

Die Europäischen Regierungen sind nun doch bereit, Geld aus den eigenen (leeren) Schatzkisten zu nehmen, um Griechenland zu unterstützen.

Damit können die Spekulanten einen schönen Erfolg feiern. Sie bekommen die höheren Zinsen nun EU-regierungsamtlich garantiert – zumindest bis zur Summe von 30 Mrd EUR. Vor der Griechenland-Krise mussten sie sich mit niedrigeren Renditen zufrieden geben.

Regierungen laufen den Märkten hinterher

Damit agiert Europas Finanzelite ganz klar in der Defensive. Sie ließ sich von den Märkten nötigen, Kapital auf den Tisch zu legen.

So entstehen mit einer ökonomischen Kettenreaktion neue Sachzwänge. Nachdem Griechland erfolgreich durchgespielt wurde, dürften die “Spekulanten” ihr Wissen auf andere Südstaaten anwenden: Italien, Portugal, Spanien. Sogar die deutsche Staatsbank KfW könnte ins Visier der “Spekulanten” geraten, weil deren Eigenkapitaldecke angesichts der hohen Ausfallrisiken der Bankkunden vergleichsweise dünn ist.. Auch dort lassen sich höhere Zinsen herauspressen – ganz einfach dadurch, indem Neuemissionen von Anleihen nicht mehr im bestehenden Umfang gezeichnet werden.

Niemand kann Investoren zwingen, Staatsanleihen zu kaufen – zumal Kapital knapp und teuer ist. Einzige Ausnahme: Die Aktienmärkte werden staatlicherseits unattraktiv gemacht, z.B. durch höhere Steuern (Spekulationssteuern), Einsparungen von Subventionen, neuen Eigenkapitalregeln.

Die Märkte dürften am Montag zunächst erleichtert reagieren. Die Flucht in Aktien könnte gestoppt werden, der Bund Future könnte etwas nachgeben, Staatsanleihen südeuropäischer Staaten könnten gefragt sein.

Unzufriedenheit über schlechte Politik dürfte wachsen

Langfristig ist die Hilfe für Griechenland ein Eigentor für die Helferstaaten: Ihr Zinsniveau dürfte sich erhöhen, weil auch dort neue Emissionen auf den Staatsanleihemarkt drängen, um die 30, 60, 90 oder noch mehr Milliarden EUR für klamme EU-Staaten locker zu machen.

Seltsame Verteilung von Staatsgeldern: Je schlechter die Geschäftsführung agiert, desto mehr Geld erhält sie. Große Summen werden erneut an dubiose Empfänger verteilt. Das Geldscheine liegen wie 2007, 2008 und 2009 gebündelt vor den Fenstern. Voraussichtlich werden sie auch 2010 herausgeworfen.

Dadurch wird nach den Bankenhilfen erneut und anhaltend die nachlassende Werthaltigkeit des Euros gezeigt, was weiteren Auftrieb für Edelmetalle geben dürfte. Die Notwendigkeit für Regionalwährungen wächst, damit kleine und effiziente Wirtschaftskreisläufe entstehen können.

Die Regierungen dürfen damit rechnen, dass die Welle bürgerlicher Entrüstung über schlechte Politik die nächsten Wahlen erreicht. Die politische Mitte dürfte bröckeln, weil sie die Kraft des Handelns verliert. Bessere Alternativen sind gefragt. Das Wahlergebnis in Ungarn gehört zur schlechteren Variante – und zeigt die Gefahren, auf die wir uns zubewegen.

Kommentare

12 Antworten zu “Geld liegt vor den Fenstern bereit”

  1. GS sagt:

    Jetzt startet ein Test des Widerstands von heute morgen: Anleger nutzten den Rückschlag, um einzusammeln.

    Das war anhand der Moving Markets Indikatoren erkennbar:

    Index-Schwergewichte waren gefragt und Renditetitel.

    Sollte es zu einem oberen Wendepunkt kommen, müssten ab sofort die Renditewerte gedrückt bleiben und Umschichtungen in Richtung Wachstum und Aktien aus der zweiten und dritten Reihe müssten beginnen.

    Sollte das passieren, wird erneut DAX Short für das Moving Markets Depot geprüft – mit diesem Zertifikat im Visier:

    http://zertifikate.onvista.de/snapshot.html?ID_INSTRUMENT=27406270

  2. GS sagt:

    Griechenlands Ausweg ist die Deflation:

    http://de.reuters.com/article/topNews/idDEBEE63B07020100412

    Dominique Strauss-Kahn
    http://de.wikipedia.org/wiki/Dominique_Strauss-Kahn

    Herzlichen Glückwunsch zu dieser Erkenntnis! Das ist der erste Schritt auf dem Weg zu Besserung: Den Gürtel enger zu schnallen, dürfte auch anderen EU-Staaten gut stehen.

    Aktienbesitzern würde das jedoch gar nicht gefallen. Auch “Wachstumsbeschleunigungs-Fans” werden mit solchen Thesen ihre Probleme haben.

    Allerdings macht sich der IWF Chef mit solchen forschen Ideen verdächtig: Wenn Griechenland deflationiert und andere Staaten inflationieren, gibt es griechische Sachwerte bald zum Schnäppchenpreis.

    Das könnte auf eine Art “Übernahme” Griechenlands hinauslaufen. Auf dem Höhepunkt der Krise in Griechenland in ein paar Jahren, wird das Land in Verwaltungssektoren aufgeteilt: türkisch – Italienisch – französisch – deutsch – und weil die Amerilkaner auch gern griechischen Wein trinken, bekommen sie eine Vermittlerrolle.

    Frohlockende Aussichten für aktuelle Gläubiger: Viele schöne griechische Inseln könnten eines Tages zum Verkauf stehen!

    Möglicherweise läuft Strauss-Kahn schon das Wasser im Mund zusammen, wenn er solche Ziele vor Augen hat.

    Den Griechen darf geraten werden, ohne internationale Hilfe auszukommen, die Verantwortlichen im eigenen Land vor Gericht zu stellen und die letzten sechs Nullen des Schuldenbergs zu streichen.

    Zwar würde dann das Land als säumiger Schulder keine ausländischen Kredite mehr bekommen. Aber die Griechen würden eigener Herr im Hause bleiben und könnten als Agrarstaat mit Handelsflotte früher den Turnaround schaffen als die nördlichen EU Länder, die ihre Hausaufgaben erst noch machen müssen.

  3. Börsentiger sagt:

    Ein Kursrutsch an den Aktienmärkten ist nach der Indikatorlage noch in dieser Woche ziemlich wahrscheinlich und zwar bis zum Jännerhoch. Aber nicht nur das – auch Gold ist stark überkauft und wird dann ebenfalls den Weg nach Süden nehmen. Vorsicht! Gold ist nicht mehr der sichere Hafen. Da unterliegen einige einem Irrtum. Es zeigt heuer eine zunehmende Korrelation mit den Aktienmärkten und wird dann ebenfalls abstürzen.

  4. MP sagt:

    >> Ein Kursrutsch an den Aktienmärkten ist nach der Indikatorlage noch in dieser Woche ziemlich wahrscheinlich und zwar bis zum Jännerhoch. <<

    ich tippe auf mind. ca. 6000

  5. MP sagt:

    http://img706.imageshack.us/img706/4838/daxforecastper1204.png

    im Gegensatz zu vielen anderen Meinungen (hier) dokumentiere ich meine Gedanken …

    nichts muss – alles kann.

  6. Marcel sagt:

    Gibt es eigentlich nur “maximal” ETF Fonds Short 2x oder eventuell auch 4x ?

  7. GS sagt:

    Statistiken aus der Blogosphäre:

    http://markusgaertner.wordpress.com/blog-parade/

    http://trendgedanken.de/?page_id=2621

    Trend Gedanken auf Platz acht der deutschsprachigen Wirtschafts- und Politikblogs.

  8. Börsentiger sagt:

    @Marcel
    In Europa gibt es nur ETF mit Hebel 2 in den USA auch größere Hebel. Generell muss man sich über die Fondskonstruktion genau informieren und die Verläufe der Charts und der Benchmark vergleichen um keine Überraschungen zu erleben. Von vielen ETFs werden Indizes nicht 1:1 nachgebildet sondern irgendwelche Derivate oder “Hilfskonstruktionen” verwendet. Daher sollte man auch nur ETFs auswählen, die sich schon längere Zeit bewährt haben.

    • cues sagt:

      So einfach ist das also:
      Laut FTD sehen die Ökonomen Deutschland nicht als den “aufopferungsvollen Zahlmeister” sondern als möglichen Profiteur der Griechenlandkrise.
      Deutschland macht wohl einen Gewinn, wenn der Schuldner zurückzahlt, so heißt es. Berlin gibt Athen einen Kredit zu 5 Prozent und kann sich das Geld am Kapitalmarkt günstiger leihen und den Gewinn einstreichen.

      Warum habe ich nicht meine Spardose geknackt uns sofort Kredite vergeben?

      Griechenland selbst versichert, das europäische Nothilfspaket nicht in Anspruch nehmen zu müssen. Wie soll das bei einem Zinspaket von 5 Prozent funktionieren. Wie soll Geld von Athen jemals zurück nach Berlin fließen?
      Also wird Griechenland das Paket in Anspruch nehmen müssen.
      Deutschland könnte dann nicht der Profiteuer sein, sondern der ewig zahlende.
      vor allem, wenn man den Schuldner mit seinen Problemen alleine läßt, man bekommt ja schließlich sein Geld auf jeden Fall zurück….

      • GS sagt:

        Am meisten profitieren wohl die deutschen Banken, Staatsfinanzierer. Ihnen wird mit dem Hilfspaket unter die Arme gegriffen.

        Würde Deutschland nicht handeln, hätten wir hierzulande wieder einige Bilanzlöcher zu stopfen.

        So ist es gleichgültig, ob das Geld zuerst nach Griechenland fließt und dann zu den Banken (wie es zurzeit geplant ist) oder bei einem Ausfall Griechenlands direkt zu den Banken.

        Die jetzt gewählte Lösung ist elegant: Sie fällt erst auf, wenn um die Ecke geschaut wird.

      • john sagt:

        griechenland ist eine löcherige regentonne.dort ist fast nicht unter kontrolle,korruption an der tagesordnung.die miiliarden werden irgendwo versickern und reichen wirds vorn und hinten nicht,auf länger sicht.
        weiss nicht wie man sich sicher sein kann das geld zurückzubekommen.
        ebenso unverständlich sicher ist sich aber die deutsche bank in riga.hat die finanzen der stadt aufpoliert und denen wohl für einen brückenbau etc. 440 millionen zur verfügung gestellt und über derivate diese schulden in die zukunft verschoben.ebenso wie goldman sachs bei den griechen agiert hat…..