Ende der Talfahrt oder Talfahrt ohne Ende

Die vergangenen zwei Tage wirbelten die Indikatoren durcheinander, was mit Sicht auf den Rest des Tages und ggf. die nächsten ein bis zwei Tage keine Orientierung ermöglicht.

Für den Aktienmarkt bleibt festzustellen: Dass die Marktteilnehmer in den vergangenen Monaten umschichteten, geschah vorsorglich. Investmentbanken, Staatsfinanzierer und Beamte an den Schlüsselpositionen der Finanzminsterien wussten mindestens seit 2009, welche Konsequenzen die Überschuldung von Griechenland & Co haben würde. Seit Monaten standen die Termine mit Anschlussfinanzierungen mit den fraglichen Summen fest. Wer die Daten kannte, positionierte sich dort short, wo das Geld am meisten fehlen würde: in Südeuropa am Anleihemarkt und bei Aktien, die von staatlicher Unterstützung abhängig sind.

Weil große Summen in Sicherheit gebracht werden mussten, reagierten die Insider frühzeitig genug, um Milliardensummen in sichere Häfen zu verlagern. Außenstehenden erschien ihr Verhalten rätselhaft. Immerhin war die Wirtschaftskrise offiziell beendet, so dass möglichst unauffällig und marktschonend agiert werden musste. Eine Begründung für die Positionierungen der Insider zu finden, gehörte seit Mitte 2009 zu den größten Herausforderungen.

Antizyklische Bären haben es jetzt schwerer als Ende 2009

Allerdings zeigt der Aktienmarkt erst in den Anfängen, wohin die Reise gehen könnte. Weil sich der Dax erst auf dem Niveau des Jahreswechsels befindet, ist aus dem Blickwinkel der Optimisten kaum etwas Dramatisches geschehen. Sie sitzen auf 500 bis 1.000 DAX Punkten Gewinnen.- ein guter Grund, den aktuellen Rückschlag als technische Reaktion einzustufen.

Die Umsatzdaten geben ihnen Recht: Aufgrund der Panikverkäufe, immerhin erreichte das Volumen die Umsatzspitzen der Verkaufspanik vom Januar, lassen sich Muster einer Marktbereinigung ableiten. Überdurchschnittlich viele Marktteilnehmer standen auf der Verkäuferseite. Das Kapital steht jetzt an der Seitenlinie, um beim nächsten Kursanstieg dabei zu sein. Die häufig an der Börse verwendeten Trendfolgemodelle signalisieren eine überverkaufte Marktsituation.

Damit steht das Moving Markets Depot vor einer neuen Herausforderung: Das Auftaktszenario einer vergrößerten Krise traf zwar zu, was die skeptische Einschätzung auch bestätigte. Aber wegen der heftigen Reaktion der Marktteilnehmer und der dominanten Präsenz der schlechten Nachrichten in der Öffentlichkeit, wurde der Boden für eine antizyklische Shortstrategie entzogen.

Für antizyklische Bären bleibt nur ein schwacher Trost, eine hauchdünne Chance, ihre Shortpositionen mit größeren Gewinnen glattzustellen: Die Ereignisse könnten sich überschlagen, bis zum Jahresende könnte sich die Situation weiter verschlechtern.

Mediengestützte Spekulationsblase bei Staatsanleihen

Oder positiv ausgedrückt: Die Umsatzspitzen sind geeignet, für den Aktienmarkt grünes Licht zu geben.

Bei einer Kettenreaktion von Staatspleiten sind Beteiligungen an Substanz ein wertvoller Besitz. Allerdings gibt es für solche Käufe noch keine Anhaltspunkte. Die Marktteilnehmer stehen an der Seitenlinie und wedeln mit ihren Geldscheinen. Wem sie das bunt bedruckte Papier geben werden, verraten Sie noch nicht. Das wäre z.B. dann der Fall, wenn Sie sich ausdauernd und auch bei steigenden Notierungen nachkaufend bei typischen Trendsettern positionieren. Das bleibt in den nächsten Tagen zu beobachten.

Gleichzeitig würden sie sich von ihren Sicherheitsinvestments trennen, z.B. von spekulativ aufgeblähten deutschen Staatsanleihen. Dort dürften sich zurzeit die meisten Spekulanten tummeln. Hier darf aufgrund der Moving Markets-Indikatoren weiterhin mit einem oberen Wendepunkt gerechnet werden, obwohl die jüngste Shortposition mit Verlust ausgestoppt wurde.

Für das Moving Markets Depot besteht vorerst kein Handlungsbedarf.

Kommentare

Eine Antwort zu “Ende der Talfahrt oder Talfahrt ohne Ende”

  1. Naja, seit gestern haben die antizyklischen Bären Oberwasser, zumindest ein wenig.

    Das gibt mir Hoffnung, dass sich die Märkte endlich weg von Levels bewegen, auf denen sie fundamental seit 10 Jahren nichts zu suchen haben, inbesondere was den Dow betrifft. Glaube bzgl. gestern auch nicht an den Gossip, dass es da einen Fehltrade gab. Denn da gibt es innerhalb der Banken entsprechende Plausisysteme, außerdem haben wir innerhalb der Börsen auch Vola-Unterbrechungen, wenn Aktien plötzlich 40 % (P&G) fallen sollten. Bin einfach mal gespannt, wie sich die Lage jetzt weiter entwickelt, die Nervosität ist jedenfalls groß.

    Aber ich hätte gegen eine ordentliche Marktbereinigung nix einzuwenden, wenn sie denn geordnet abläuft…