Gedanken zum 750 Mrd. EUR “Rettungspaket” für den Euro: Mehr Transparenz, bitte!

Die Entscheidungsträger verwenden für die 750 Mrd-Hilfe Kriegsvokabular, Angriff wurde zurückgeschlagen, große Geschütze werden aufgefahren usw.

Wenn schon Krieg ist, würde es mich als Bürger Deutschlands interessieren,

  • gegen WEN geschossen wird, wer genau den Euro angegriffen haben soll (Namen bitte)
  • in welchem Umfang erneut die europäischen Banken, Fondsgesellschaften, Vermögensverwaltungen profitieren werden

Zurzeit stellt sich die Situation äußerst dubios dar.

Faß ohne Boden entwickelt sich zum schwarzen Loch

Die Bestandsaufnahme der Krise war falsch: Nicht Spekulanten sind für das Chaos an den Märkten zuständig, sondern die unverantwortlich handelnden Regierungen in den vergangenen 10, 20 Jahren.

Daraus wurden die falschen Schlussfolderungen gezogen, indem gegen europäisches Recht vorgegangen wurde. Die Stabilitätskriterien für den Euro wurden in einer Nacht- und Nebelaktion, fast in einer Art Putsch, ausgehebelt.

Zu solchen Plänen passt es, dass der deutsche Finanzminister aufgrund eines Schwächeanfalls handlungsunfähig war. Vermutlich hatte er – wie es von den Gründervätern des Euro auch gewünscht war – Einwände gegen ein derartig bodenloses “Rettungspaket”.

Handlungsfähigkeit wird eingeschränkt

Was zurzeit als “Stabilisierungsmechanismus” beschrieben wird, weicht den Euro weiter auf: Der Weg für hemmungslose Konsumkredite der Regierungen ist geebnet. Die Brüsseler Bürokraten haben das “Perpetuum Mobile” für den Euroraum erfunden. Die ungelösten Probleme werden wie seit 2001, 2002, 2007ff. auf unbestimmte Zeit in die Zukunft verschoben. Das ist ein Desaster für die nächste Generation der Steuerzahler.

Sollte es in den nächsten Jahren zu echten Katastrophen in der Eurozone kommen, z.B. Erdbeben, Überschwemmungen, Dürreperioden, Terroranschläge, Peak Oil, hat die EU nur noch begrenzte Möglichkeiten, darauf zu reagieren. Die zukünftige Handlungsfähigkeit der Regierungen wird mit dem aktuellen “Stabilisierungspakt” erheblich eingeschränkt.

Für das Moving Markets Depot bedeutet das:

* Inflationsgefahren erfordern auf Jahrzehnte hinaus Investitionen in Sachwerte. Das kann auch bedeuten, dass eine Abkehr von der DAX-Shortstrategie seit 2009 stattfindet. Das wird je nach Indikatorlage geprüft.

* An potenziellen oberen Wendepunkten wird auf fallende Notierungen von Staatsanleihen gesetzt.

Kritische Geister werden um Widerspruch gebeten

Es bleibt zu hoffen, dass die Parlamente der Aufweichung der Stabilitätskriterien des Euroraums nicht zustimmen oder zumindest stark einschränken. Dazu appelliere ich an den finanzpolitischen Sachverstand der Oppositionsparteien und, wo möglich, auch an die vorausschauenden Adler in den Regierungen. Beste Genesungswünsche an Dr. Wolfgang Schäuble.

Kommentare

30 Antworten zu “Gedanken zum 750 Mrd. EUR “Rettungspaket” für den Euro: Mehr Transparenz, bitte!”

  1. “Dazu appelliere ich an den finanzpolitischen Sachverstand der Oppositionsparteien und, wo möglich, auch an die vorausschauenden Adler in den Regierungen…”

    Ich kann mich nicht entsinnen, dass in der Historie derartige Appelle schon mal irgendwo gefruchtet haben, d.h. ich kenne keine Regierung, die mit finanzpolitischen Sachverstand vorgeht, es sei denn, sie möchte nicht mehr wiedergewählt werden.

  2. GS sagt:

    Die Europäische Union verausgabt sich, obwohl es klug wäre, Reserven zu schützen – z.B. für isländische Vulkane.

    In den vergangenen Stunden erhöhte sich die Zahl der kleinen Beben – auch in Richtung Katla gehend.

    Anhand der oben gezeigten Links “Vulkan Katla: 1 | 2 | 3″ können Sie das ständig prüfen:

    http://en.vedur.is/earthquakes-and-volcanism/earthquakes/myrdalsjokull

    http://en.vedur.is//#tab=skjalftar

    http://hraun.vedur.is/ja/Katla2009/stodvaplott.html

  3. Börsentiger sagt:

    Wo sind jetzt die Rufer nach einer neuen Short-Position? Der DAX stößt bei 6013 wahrscheinlich vorderhand einmal an die Decke und muss demnächst wieder korrigieren. Da kann man schön einen short-term- trading- profit mitnehmen. So klar wie heute war das bei den in der Vergangenheit verheizten Positionen mit Sicherheit nicht.

    • crossi sagt:

      @börsentiger – hier ist ein “shorter” – ich bleibe dabei: dax in den nächsten tagen/wochen unter 5000 – ziel mindestens 4500. dafür seit heute gestaffelte shorts drin – faktor zeit (spiel auf zeit!) und faktor überraschung – plötzlich – sind dabei einkalkuliert. die generalprobe war letzten donnerstag …

      klar geh ich auch long – aber nur dax – “auf sicht” … kein problem damit!

    • ratishero sagt:

      @ Börsentiger
      Bitte keine Schadenfreude zeigen, Sie haben auch lange warten müssen, bis ein kolossaler Aufwärtstrend wie heute entstand.
      Ich profitierte sowohl beim Abwärtstrend, wobei ich auch Calls verbrannte,
      als auch jetzt im Aufwärtstrend (Kauf 5675 Verkauf 5900-leider zuf früh).
      Aber allen Unkenruf zum Trotz, ich bin seit heute bei 5900 und5970) wieder short.
      Es ist immer schwierig, sich frühzeitig auf die vermeintliche Seite zustellen,und wenn es nicht gleich in die richtige Richtung läuft, bekommt man ein Problem.
      Trotzdem ist im Forum die Positionierung auf beiden Seiten sehr wichtig und ich bewundere jeden, wirklich jeden, der seine Meinung auch verteidigt und wünsche auch jeden seinen verdienten Erfolg.
      Macht weiter so!!
      Vielen Dank an cues, GS, Börsentiger und KFEB und natürlich Herbert

  4. Börsentiger sagt:

    @crossi
    Nur nicht übertreiben! Ich rechne mit einer Korrektur auf 5830.

    • crossi sagt:

      @börsentiger – na wir werden sehen – wer recht hat.

      hatte vor ca. 2 wochen hier übrigens schon gepostet, dass ich mit etwas größerem rechne – und hatte damit ja eigentlich recht gehabt …

      die meisten sind hier damals eher noch von max. 6000/6074 etc. ausgegangen!

      die entwicklung des heutigen tages würde ich als “eintagsfliege” bezeichnen.
      günstige shorteinstiegsgelegenheit für mutige!

  5. Börsentiger sagt:

    @ratishero

    Ich habe um 18.29 nur einen praktisch sicheren Tipp hier gepostet und absolut keine Schadenfreude gezeigt. Der DAX hat seither 35 Punkte nachgegeben!!!
    Also im Gegenteil, damit wollte ich hier endlich auch ein paar Gewinner sehen.

    • Rumpelstielzchen sagt:

      Sind die Beschluesse der EU von heute nur ein Strohfeuer gewesen?
      Das Geld muss den laufenden Konsum am Leben erhalten (Löhne, staatliche Transferleistungen etc,). Nachhaltige Werte und konkurrenzfähige neue Exportgüter werden damit nicht geschaffen. Europa bleibt wie es ist, und die Zinslasten in Europa steigen weiter, wenn auch nicht so schnell.

  6. Tom22 sagt:

    HeyCrossi,
    davor sehen wir aber noch die 6200. Nicht morgen, aber bis ende der Woche.

    • ratishero sagt:

      Seht Euch mal den Dollar an!
      Wieder unter 1,28!
      Der Abstieg des $ war der Beginn des Dax-Rückganges .
      Die Maßnahmern der EU sind vielleicht nur Strohfeuer.
      Die Chancen für Short stehen momentan 80 zu 20.

      • crossi sagt:

        @ratishero – genau! sie schreiben strohfeuer – ich schrieb vorhin eintagsfliege. der teuro fällt wieder und weiter. was soll als nächstes noch kommen um das wieder zu pushen??? mehr wie die 750 milliarden sind nicht – mehr – drin! verpufft das teuropaket – verpufft der dax …

        • GS sagt:

          Wenn schon Kriegsvokabeln von offizieller Seite verwendet werden, dürfen wir solche Gedanken weiterspinnen:

          Was die EU zurzeit zeigt, dient der öffentlichen Präsenz und soll mit den aufgefahrenen Geschützen abschrecken. Das führte heute dazu, dass der Gegner seine Angriffslinien zurückzog.

          Der Gegner wird die Verteidigungsmechanismen der EU studieren und in seinen Plänen berücksichtigen. Verteidigungspläne sind nie perfekt, weil sie immer nur überwindbare Hürden darstellen.

          Weil unveränderte Schwachstellen bestehen, wird der Gegner sie finden, neue Mittel einsetzen und neue Wege gehen.

          Wir dürfen vermuten, dass anhaltende Gefahren bestehen.

          Deshalb forsche ich aufgrund der bisherigen Handlungsmuster (anhand der Moving Markets Indikatoren), ob sich erneut unmittelbare Bedrohungen entwickeln.

          Wenn das der Fall ist, dürften die 750 Mrd nicht ausreichen. Die leichtsinnig in den Raum gestellten Zahlen reizen den Markt förmlich, höhere Zinsen einzufordern.

          Die Mechanik ist wie die erste “kostenlose” Garantieerklärung der EU für Griechenland vor einigen Wochen: Alle Marktteilnehmer wissen, dass jetzt Spekulationen mit Netz und doppeltem Boden möglich sind – und zwar in beide Richtungen. Das werden die Märkte testen.

          Heute schlagen sich die Entscheidungsträger der EU vor Freude auf die Schenkel. Dabei dürfen wir davon ausgehen, dass die “Spekulanten”, gegen die gekämpft wurde, ihre Positionen vorher, Ende vergangener Woche, abgesichert haben.

          Wenn sogar der Moving Markets Börsendienst die Muster zeigen konnte, haben es die “großen Unbekannten”, die “Spekulanten” auch gesehen, dass für das Wochenende etwas vorbereitet wurde. Möglicherweise hat es nur ein paar-Hobby-Spekulanten erwischt und die “Angreifer” kamen ungeschoren davon. In dem Fall würde er aus einer solchen Schlacht erstarkt hervorgehen.

          Wer auch immer an den Märkten agiert und feindliche Linien ausspäht – er wird dabei gesehen.

  7. GS sagt:

    Druck über die Märkte in Richtung Legislative:

    Der Euro fällt schon wieder.

    http://www.movingmarkets.de/usd.htm

    http://de.finance.yahoo.com/q/bc?s=EURUSD=X&t=5d

    Das erhöht den Druck auf die Regierungen und die Volksvertreter Europas, keinen Zweifel an der Notwendigkeit des “Rettungspakets” aufkommen zu lassen.

    Es erscheint möglich, dass die Märkte ermeut schwach tendieren. Das erleichtert die öffentliche Diskussion, die Entscheidungsfreudigkeit.

  8. Börsentiger sagt:

    Warum mir gestern Abend mit meinem Short-Tipp nicht alle(!!) sofort nachgefolgt sind, verstehe ich noch immer nicht. Das war wohl die klarste Situation des ganzen Jahres, dass nach einer solchen Tageseuphorie die Kurse wieder zurück müssen. Klarer kann es nicht mehr sein!

    • GS sagt:

      Doch, es gab Shorties. Man muss ja nicht alles immer sofort schreiben.

      Mich irritieren die Ausrufungszeichen hinter dem “alle”. Dass Ihr Österreicher immer gleich wollt, dass Euch alle folgen … ts, ts … ;-)

      • Damian sagt:

        Tja GS, ist es nicht in der Natur der Deutschen zu folgen? ;-)Vielleicht hat der Börsentiger dies nur unbewusst wahrgenommen? :-) )

        • john sagt:

          also nichts gegen börsentiger.aber allgemein ist es doch so,wenn man jemanden nicht folgt,dann war er nicht überzeugend bzw. traut man ihm nicht(jetzt nur im bezug auf die shortposition).ich wäre aber ehrlich gesagt auf jeden fall short gegangen,wenn ich vor 22 uhr zu hause gewesen wäre,so 300 scheinchen hätte ich schon geordert.

          • GS sagt:

            Es wäre selbst beim besten Trader ungewöhnlich, wenn ihm alle Fans folgen.

            Davon lebt auch die Börse:

            Das Auseinanderlaufen von Meinungen an den Märkten ist die demokratischste Einrichtung dieser Zeit.

            Was in Europa demnächst versucht wird, ein staatliches Rating-Institut, wird auch diesen richtigen Markt-Mechanismus zerstören. Denn dann gibt es Gutachten, die amtlich verordnet keinen Widerspruch dulden.

            Ach, wie ich diese staatlichen Eingriffe hasse – und ein Franzose, Sarkozy, steht auch noch an der Spitze dieser Bewegung.
            Ent-Täuschend.

    • GS sagt:

      Würde ich nur den VDAX als Indikator verwenden, gäbe nicht nur einen Rückschlag, sondern ein neues Tief.

      http://www.boerse-frankfurt.de/DE/index.aspx?pageID=83&ISIN=DE000A0DMX99

      Der Index ist gestern mit dem DAX gestiegen. Das ist äußerst selten der Fall.

      Deshalb bin ich gespannt, ob sich zusätzlich zur technischen Reaktion auch Hinweise auf einen starken Rückschlag und neue Tiefs entwickeln.

  9. Klar gabs Shorties :-) )))))))))

    • crossi sagt:

      ………also ich bin weiter short – kursziel unter 5000 im dax! nehme an börsentiger wollte mal austesten, was so los ist mit den shorties. sind ja auch verdächtig ruhig geworden, da muss man schon mal fragen ;-)

      • GS sagt:

        Die Moving Markets Indikatoren tendieren freundlich und würden einen steigenden DAX erlauben.

        Es lässt sich aus ihnen nicht ableiten, dass der Markt bald fallen könnte.

        Es gibt auch noch eine große Portion Pessimismus, erkennbar anhand des Hysterieindikators und der A/D-Linie:

        http://www.movingmarkets.de/hysterieindikator.htm

        Bei einem schwachen, angeschlagenen Markt kann es zwar immer aus dem Stand abwärts gehen. Aber dazu würde ich gern klare Signale sehen, bevor ich eine neue Position eingehe – und die gibt es nicht, bzw. würden sogar DAX > 6.000 erlauben.

        Das Moving Markets Depot wartet deshalb die weitere Entwicklung ab.

        • john sagt:

          wahrscheinlich wird es so kommen,das man in griechenland etc. sogar sparpläne aufgibt,um die massen unter kontrolle zu halten und sich stattdessen mit billigen krediten vom rettungspaket eindeckt,das würde dann eine inflation immer wahrscheinlicher machen……

  10. Börsentiger sagt:

    @crossi

    Ich will gar nichts austesten. Ich habe eine sichere short-term-trading-Chance gesehen – auf KURZFRISTIG fallende Kurse. MITTELFRISTIGFRISTIG also auf Sicht von mehreren Wochen gehe ich weiterhin von steigenden Kursen auf allen wichtigen Aktienmärkten aus und habe auch nie etwas anderes behauptet..

    • john sagt:

      gold zieht ja auch wieder heftig an,hab ich gestern wohl mal bei 1190 gesehen.da kann man wohl beruhigt long gehen.

  11. dochasi sagt:

    kann mich Börsentiger nur anschliessen,Knackpunkt wäre heute
    wahrscheinlcih die 5900 und bei Fall darunter dann prozyklisch short
    bis 5800-5830.Das mit den langfristing steigenden Kursen erscheint
    irrational aber das war der Anstieg auf dax 63xx ja auch.

  12. tom22 sagt:

    95% erwarten das es nach unten geht! Nicht das es nach hinten (für shorties) los geht.

 

Trackbacks

Lesen Sie, was andere Leser über diesen Bericht sagen …

  1. […] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von Steffi Schubert erwähnt. Steffi Schubert sagte: Gedanken zum 750 Mrd. EUR “Rettungspaket” für den Euro: Mehr …: Sollte es in den nächsten Jahren zu echten… http://tinyurl.com/339kjxq […]