Dirk Löhr: “Unsere gesamte öffentliche Finanzierung ist schräg”

Seit der Beschäftigung mit den zerstörerischen Phänomenen des Wirtschaftssystems verfolge ich die Thesen von Prof. Dr. Dirk Löhr, z.B. Bericht vom 10.12.2009.

In einem Vortrag vom 27.01.2014 aktualisiert er seine Thesen in einem sehenswerten Vortrag:

 

Zwar ist die theoretische Einführung auch lehrreich und interessant, um die Schlussfolgerungen zu verstehen. Aber wer es eilig hat: Ab Min. 45:45 kommt er zu den Lösungen. Das Zitat aus der Überschrift wird in der 55. Minute gesagt.

Er beschreibt den Zusammenhang zwischen der Entwicklung von Kapitalblasen (Aufpumpen von Eigenkapital) und privatem Grundbesitz. Als Mieter bezahlen wir Mörtel, Steine, Personal nur zu einem kleinen Teil. Der größte Mietanteil geht Zulasten einer Bodenrente. Wie hoch die Bodenrente ist, obliegt dem Zufall, der Korruption, der Spekulation und den staatlichen Dienstleistungen. Dabei gilt: Zu “Boden” zählen auch Aktien.

Die Bodenrente kann auf theoretisch unbegrenzte Höhen steigen — solange die Zinsen niedrig bleiben. Es ist eine Frage der Zeit, bis die Bodenrenten auch Konsum- und Investitionswirksam werden — und dann beginnen die Zinsen zu steigen. Das dürfte eine zerstörerische Kraft auf den Wert von Eigenkapital, Grundstücksbesitz und Aktien haben. Die Bodenrenten fallen und die Wirtschaft implodiert mit unüberschaubaren Folgen für die Gesellschaft, ggf. auch Verbunden mit Verzicht auf Freiheit.

Das derzeitige Dilemma ist, dass kaum ein Ökonom in Deutschland Lösungen dafür parat hat, weil sich niemand traut, sich öffentlich dazu zu bekennen, dass es nützlich sein könnte, die heisse Luft entweichen zu lassen.

Löhrs Lösung ist:

Zurzeit werden staatliche Aufgaben durch Abgaben auf Arbeit und Löhne bezahlt, während die Bodenrente unbehelligt bleibt.

Eine Reform würde die gigantisch gestiegenen und leistungsfreien Bodenrenten abschöpfen, was für eine sozialere Verteilung sorgt und Blasenbildung verhindert.

Damit kommen wir an den Kern der solidarischen Ökonomie / Gemeinwohl-Ökonomie: Je früher damit begonnen wird, den Übergang zu schaffen, desto geringer dürfte die Fallhöhe sein, Risiken mindernd. Denn die aufgeblähten Werte dürften sich ohnehin ihrem Nominalwert annähern: Entweder geschieht das durch die Marktmechanismen über steigende Zinsen. Oder es findet eine vorsorgliche Abschöpfung der Bodenrenten statt — aber dafür benötigen wir eine zukunftsfähig wirtschaftende Regierung, was zurzeit nicht in Sicht ist.

Dass der DAX seit 1998 immer wieder nach den Finanzcrashs kletterte, symbolisiert bereits die systemische Vermögensblase. “Aktiensparen” wäre dann nur noch bis zum Zeitpunkt des Platzens der Blase sinnvoll — schon jetzt mit einem Bein über dem Abgrund stehend.

Wie steht es zurzeit?

Vorherige Bewertung am 28.06.2013

Der DAX befindet sich seit dem Januar-Gipfel auf dem Rückzug. Auf Basis der Moving Markets-Indikatoren kann die Abwärtsbewegung noch einige Zeit anhalten.

Solange die SSI-Indikatoren gedrückt bleiben, die A/D-Linie eine Outperformance aufweist und der DOID schwach ist, dürfte die Abwärtsbewegung anhalten. DerLangfrist-Chart bietet einiges Rückschlagpotenzial.

Ein “Crash” lässt sich aus den Daten nicht ableiten. Schließlich werden Regierungen und Zentralbanken gegen deflationäre Tendenzen kämpfen. Aber es erscheint ratsam, die Entwicklung mit mehr Achtsamkeit zu verfolgen als in den vergangenen 24 Monaten