Liebe Kolleginnen und Kollegen,
ich habe erst heute Morgen wieder Zeit gefunden, einen schärferen Blick auf die Lage zu werfen. Obwohl ich immer mit einer Hand am Puls des Marktes bin und auch gestern noch gegen US Nachmittag eine private Longposition einging, so konnte ich keinen Trade im Musterdepot eröffnen. Warum? Weil ich den hohen Anspruch kenne, mit dem in der Öffentlichkeit gemessen wird. Wenn ich eine Position eröffne, dann wollen sehr viele genau wissen, was mich dazu bewegt hat. Welches Signal war ausschlaggebend? Welche Gründe für diesen Stopp? Warum diese Positionsgröße? Dazu ist nicht immer sofort Zeit, wenn ein Trade eingegangen werden soll.
Meine Begründung
Doch es gibt recht genaue und regelmäßige (mehrmals die Woche) Berichte über meine Markteinschätzungen und Positionen im Markt auf der bekannten Website im Blogarchiv.
Wen meine Strategie und auch die Entscheidungsursachen für die eine oder andere Position interessieren, der kann dort recht einfach nachschlagen.
Fragen Stellen ist im übrigen erlaubt. Für die ganz nahe Kommunikation, also im kleinen Kreis, bin ich ja täglich im Chatraum anzusprechen
Das Team Herbert und Ichitaka ist in soweit ein Team, als es gemeinsam auftritt und auch gemeinsam wahrgenommen wird. Wir tauschen uns regelmäßig sehr intensiv aus.
Dennoch sind wir zwei sehr verschiedene Trader. Und dass die Transaktionen im Musterdepot in keinster Weise mit Herbert in Verbindung stehen und auch nicht in gemeinsamer Absprache stattfinden, sollte jedem klar sein, welcher das Strategiepapier
von Herbert gelesen hat. Darin heißt es:
“Daher werden alle Kauf- und Verkaufsentscheidungen im neu gestarteten Musterdepot des Duos “Ichitaka und Herbert” von Ichitaka getroffen werden.”
Es war für uns alle ein Experiment. Vor allem aber, war es ein Experiment für Herbert und auch für mich.
Warum es schwerer war, als sonst
Ich erinnere mich noch gut an den Tag, an dem Herbert und ich unser gemeinsames Projekt starteten. Es war der 4. Juni 2007 und es war genau der Tag, an dem der Markt in eine neue Phase eintrat. Der 4. Juni war die letzte grüne Tageskerze im Dax nach der massiven Rally vom Frühjahr
2007 und zuvor vom Herbst 2006, bevor es dann in einem ätzenden Geschaukel für Monate weiter gehen sollte. Bericht vom 4. Juni 2007
Nun habe ich, und eben auch mit Hilfe von Herberts Sentimentanalyse der US Geldbewegungen , im Tradingdepot
zwar über 10% erwirtschaftet, was jedoch weit entfernt liegt von der angepeilten Marke, die bei 30% in sechs Monaten lag. Wenn Sie sich eine Performance von 10% im Quartal erwirtschaften (und darin sind Drawdowns bereits eingeschlossen), dann können Sie sehr ansehnliche Gewinne über ein, zwei, drei Jahre ansammeln. Allein bei zwei Jahren verdoppeln Sie Ihren Depotstand. Damit sollte deutlich geworden sein, was Trading für mich bedeutet. Im selbst geführten Musterdepot
zeige ich das und im Blogarchiv
erkläre ich das auch.
Und nun?
Ich bin damit einverstanden, dass das Experiment vorzeitig abgebrochen wird. Es ist in den letzten Wochen einiges unglücklich gelaufen. Es begann mit einem Fehler im Blogsystem hier bei Trendgedanken, nach welchem eine Reihe von Benutzern keine Kommentare mehr schreiben konnten. Dann öffnete GS den Blog für die Benutzer unerwartet und neue Gedanken entstanden in diesem Zuge. Ein Autorenkollektiv ist eine interessante Richtung, in welche sich Trendgedanken bewegen könnten. Ein Traderkollektiv würde mich noch mehr interessieren. Die rechtliche Lage ist in dieser Sache ungeklärt.
Das Team Herbert und Ichitaka wird weiter Arbeiten. Herbert hat bereits versprochen bei besonderen Auffälligkeiten des Sentiments auch einen Newsflash in Trendgedanken zu postn. Der Bereich für Herberts Sentimentanalyse der US-Geldbewegungen auf der Seite www.lemmingesindnieallein.de wird weiter ausgebaut und Herbert erhält einen eigenen Blog für seine Öffentlichkeitsarbeit. Die Zusammenarbeit mit Gert Schmidt möchte ich ganz klar weiter führen. Wir stehen immer wieder mal in einem interessanten Emailkontakt. Mein ganzer Dank für die Möglichkeit, hier auf trendgedanken zu schreiben, gehört natürlich ihm. Und nicht zu letzt auch Ihnen, liebe Mitleser. Danke also allen, die uns durch Hurra Rufe unterstützt und auch denen, die uns kritische Fragen gestellt haben.
Auffälliges aus den US-Geldbewegungen (Herberts Analyse)
Die volatilen US-Geldbewegungen im Bereich hoher Betas sind gestern ziemlich extrem auf die Shortseite gegangen. Dabei sind sie sich meiner Variablen “certainty” zufolge jetzt auf einmal auch ziemlich sicher, dass es weiter nach unten geht. Das ist eine der seltenen Situationen, in denen es sich eher lohnt, eine Gegenposition einzunehmen.
Immer mehr üble Nachrichten (z. B. Citibank) kommen heraus, ohne dass die Märkte darauf noch mit Panik reagieren. In Gert Schmidts Analyse der deutschen Geldbewegungen zeigte sich gestern ebenfalls, dass unter der Decke des Geredes und der abgefragten und veröffentlichten Meinungen (und der zu Interviews wieder hervorgeholten altbekannten Crash Gurus) das wirkliche Geld so stark kauft wie selten zuvor. Ist das der Vorbote eine Hausse? Das muss jeder Trader für sich selber entscheiden.
Wenn man mit dem crosshair über Gerts Indikator “CMI S/R-Ratio” geht, sieht man indessen, wie hoch dessen Trefferquote in der Vergangenheit war. Zusammen mit den US-Daten, die aber nur mit einem scharfen multivariaten Blick auf die kleinsten erfassbaren Analyseeinheiten und nicht mit hoch aggregierten Jahresdaten oder gar Durchschnitten von zehn Jahren wie bei Robert J. Shiller aussagekräftig sind, ist die Situation so wie MP’s hier im Forum gestern gezeigtes Chart funkt: www.grafik-upload.de/upload/1194252814_47883.png. Hic Rhodos hic salta. Springen muss jeder Trader selbst.
Professor Shiller ist ein ehrenwerter Bestsellerautor. Er hat auch einmal den Crash von 2000 mit seinen hoch aggregierten Daten getroffen. Doch was war nach 2003? Kollege Shiller ist zu intelligent und vorsichtig, um offiziell Prognosen zu machen. Aber am 27. Juli 2006, vier Tage nach einem “grünen Punkt” in meinen Sentimentindikatoren, widersprach er nicht einem mit seinem Foto geschmückten Bericht, dass er bärisch für den Aktienmarkt sei (http://www.bloggingstocks.com/2006/07/27/robert-shillers-incredible-research/). Seitdem ist der NDX um 51% gestiegen. Unglaublich.
“In the long run” wird Kollege Shiller sicher einmal recht behalten. Aber wie sein auch als Spekulant äußerst erfolgreicher Kollege John Maynard Keynes sagte, “in the long run we all are dead”. Lasst euch, liebe Kolleginnen und Kollegen, nicht durch Robert J. Shillers “Irrational Exuberance” von der scharfsichtigen Beobachtung der Märkte ablenken. Als Timing Instrument ist er ungeeignet. In 10 Jahren wird er aber sicher wieder einmal eine Baisse getroffen haben.
Update von Herberts Analyse der US-Geldbewegungen: Zurück zu größter Unschlüssigkeit nach kurzem Euphoriegipfel
Eine Zusammenfassung meiner Beobachtungen habe ich gerade als Sentimentchart bei Ichitaka ins Netz gestellt. Die orangenen Punkte in diesem Sentimentchart summieren meine in der Methodenerläuterung
beschriebenen vier Variablen “eod” und “eow” sowie die beiden “eod certainty” und “eow certainty” Variablen. (Ein farbiger Punkt wird übrigens, wie hier schon öfters erwähnt, nur dann zusätzlich manuell von mir vergeben, wenn sowohl die hochvolatilen “eod” als auch die langsam laufenden “eow” Geldbewegungen übereinstimmend ein Extrem anzeigen. Letzten Mittwoch Abend war in NY ein euphorisches Extrem in den “eod” Geldbewegungen ohne ein entsprechendes Extrem bei “eow” zu beobachten. Sie sehen dies an meinem hier zur Illustration eingespielten Chart der Rohdaten von zwei der vier dieser Variablen.
Daher kein roter Punkt. Ich habe diese trotzdem sehr bärische Konstellation, die sich am New Yorker Tagesschluss des Mittwoch nur wegen “eod” nach der Zinssenkung zeigte, gleich am Donnerstag früh vor dem Absturz des Dax und der US-Märkte hier berichtet. Über alle auffälligen Veränderungen werde ich weiterhin immer – versprochen ist versprochen – bis zum 1. Januar, dem von Gert Schmidt zugestandenen Zeitraum von 6 Monaten für alle Musterdepots, hier in einem ad hoc Artikel informieren, auch wenn es zunehmend anstrengender wird, dieser Verpflichtung nachzukommen, weil ich wieder wissenschaftlich zu arbeiten begonnen habe und weil diese Analyse der Geldbewegungen für mich persönlich im Eigenhandel mit echtem Geld zugunsten anderer Techniken in den Hintergrund getreten ist. Außerdem bin ich aus Passion ein Analytiker und kein Sonntagsprediger, so dass mir Worte zum Sonntag schwerfallen.
Nach dem Euphoriegipfel “eod” vom Mittwoch Abend folgte – aber nur “im Prinzip” und nicht unfehlbar – der Katzenjammer des Donnerstags. Jetzt sind alle vier von mir operationalisierten und beobachteten Variablen wieder in größte Unschlüssigkeit zurückgefallen. Nach meinen Erfahrungen verspricht diese Zögerlichkeit des Geldes eine Aufeinanderfolge von Bullen- und Bärenfallen im raschen Wechsel -oder wie Ichitaka auf seiner Homepage formuliert, es droht eine “Jahresendquälerei statt einer Jahresendrally”.
Glattstellung der DAX Longposition OS DB386S zu 1,74 €
Ad hoc Update von Herberts Analyse der US-Geldbewegungen
Die Gelder, die kurzfristig kaufen wollten (eod), sind gestern endlich in den Markt gegangen. Sie wiegen sich – gemessen an der Variablen “certainty” – in Sicherheit, dass es nun erst mal nur noch weiter nach oben geht. Das ist im Prinzip bärisch. Wenn überdies jedermann und jede Frau und fast alle ihre Nachbarn wegen der vielberufenen “seasonality” jetzt eine große Aufwärtsbewegung erwarten, ist das für erfahrene Trader ebenfalls bärisch.
Im Gegensatz zum extrem überhitzten eod sentiment bleibt das end of week sentiment (eow) weiterhin neutral. Daher muss kein roter Punkt vergeben werden. Aus der beobachteten und hier berichteten Diagnose müssen alle Trader ihre Prognose selber bilden. Ich persönlich ziehe den Schluss, dass es eine quälende mehrwöchige Seitwärtsbewegung mit Chancen nur für kurzfristiges daytrading in einer nervenaufreibenden trading range geben dürfte. Irgendwann wird dann “The Great Humiliator” (so Ken Fisher über die Börse) wohl noch einmal eine Bärenfalle aufbauen.
Update von Herberts Analyse New Yorker Geldbewegungen: Zucker in den Tank der Jahresendrally
Die volatilen “end of day” Daten zeigten am Freitag einen starken Geldzufluss bei allerdings vergrößerter Unschlüssigkeit der Akteure. Die langsam laufenden “end of week” Geldbewegungen reduzierten sich gegenüber der Vorwoche auf ein neutrales Maß bei ebenfalls innerhalb der 5 Handelstage vergrößerter Unschlüssigkeit. Wie ich diese Unschlüssigkeit mit meiner Variable “certainty” messe, habe ich in meiner Methodenerläuterung beschrieben.
Vor der überraschenden Diskontsatzsenkung am 18. 9. hatte es nur neutralen Geldzufluss gegeben, wogegen die Akteure sich jetzt eod in Erwartung einer Zinssetzung am Mittwoch kurzfristig sehr stark – und wie ich meine: zu stark – bullisch positioniert haben. Meine Intuition sagt mir deshalb für Mittwoch dieser Woche “sell the news” – egal, ob es zu einer starken Zinssenkung kommt oder nicht.
Ich habe meiner Gastseite zum Sentiment bei Ichitaka selbstironisch das Motto von Larry Williams vorangestellt: “Ich würde niemals eine Handelsmethodik nur auf der Sentimenttechnik aufbauen, jedoch als weiteren Aspekt in meiner Entscheidungsfindung berücksichtigen“ (Larry Williams, Die Erfolgsgeheimnisse des Kurzfrist-Tradings, dt.Übs von Long-term secrets to short-term trading [1999] , München 2007, S. 98). Daher nun drei z. Zt. selten zu hörende zusätzliche Beobachtungen.
1. Erfolgreiche Trader wie Thomas Grüner mit Ken Fisher sowie Thomas Müller haben sich vor einigen Tagen durch Käufe oder den Börsenbrief so positioniert, dass es zu keinem saisonalen Minicrash im Oktober mehr kommen werde. Plausibel. Aufgrund der Gelder, die sie verwalten oder beraten, dürfte es daher bei jeder eventuellen Korrektur zu weiteren Käufen kommen und die Märkte dürften jetzt nach unten abgesichert sein.
2. Die sowohl für 7er Jahre als auch für “US pre-election years” von allzuvielen Akteuren erwartete Jahresendrally dürfte, wenn sich denn der Zyklus der 7er Jahre wiederholt, was ich persönlich glaube, weil statitisch erhärtete Regelmäßigkeiten dahinter stehen, dennoch noch nicht gleich zu einer Hausse, sondern zu einer quälend langsamen Seitwärtsbewegung bis Januar anstatt einer year-end rally führen. 1997 sah nämlich im November und Dezember, wie ich im Tageschart bei eSignal gerade nachgesehen habe, ein sechsmaliges Hin und Her von jeweils 3% im SPX. Dann versagte in einem letzten fiesen Trick des “Great Humiliators” (Ken Fisher) das von Ken Fisher eh als Ammenmärchen nachgewiesene Januar Omen, weil der Markt 1998 die ersten 5 Tage stark fiel, um dann erst die gigantische Hausse hinzulegen. Vel zu viele Akteure erwarten sie schon jetzt. Call Optionsscheine könnten also trotz ausbleibendem Absturz schon aufgrund des Zeitwertverfalls bis Januar kaputt gehen.
3. Legt man die Analogie zu einer pre-eclection rally zugrunde, dann ergibt ein genaues Hinschauen, dass diese Hausse im Schnitt erst Mitte Dezember begann. Alle können das nachschlagen bei seasonalcharts.com:
http://www.seasonalcharts.com/specials/election/djia_w3/chart.htm
Aus den vorstehenden Beobachtungen folgt nun für mich persönlich die Strategie, dass ich ohne großen Einsatz z. Zt. nicht mit Sentiment, sondern mit der RSI Divergenzanalyse nach Mangwani, über die ich im Forum berichtet habe, aus den volatilen Kursschwankungen hin und her bis Dezember einiges herauszuschneiden versuche.
Glattstellung der SPX Shortposition zu 1524
Der Ausbruch im Index über die 1520 ist gelungen. Es zeichnet sich aus technischer Sicht eine Bodenbildung ab, auch wenn das Sentiment nicht dafür spricht. Es ist eher unwahrscheinlich, dass von diesem Punkt die Jahresendrally startet. Doch der Markt hat eben immer Recht und wir müssen Handeln was wir sehen. Die Shortposition diente zur Absicherung der Longgewinne. Nun wird für die verbliebene Dax OS Call Position wieder ein Stopp gelegt bei DAX 7800. Wir beobachten weiter den Markt mit Argusaugen.

