Die Party long geht erstmal weiter – so denkt das erfolgreiche große Geld

Ich nehme an, dass die größten Futures Händler in New York, die “Commercials”,  ganz einfach deshalb  groß sind, weil sie öfters richtig als falsch  liegen, weil sie über für uns unbezahlbare Instrumente zum Market Timing verfügen und weil sie als Großmächte des Marktes an sich strafbare Insiderkenntnisse besitzen.  Manchmal liegen sie arg falsch. Häufiger eben aber nicht. Ich nehme ferner an, dass ein  Draufgucken auf die  uninterpretierten Rohzahlen der offenen Futures dieser “Commercials” (Cot Daten) nicht ausreichend ist.  Bei bloßem Draufgucken kann sich jeder zur Reduzierung seiner kognitiven Dissonanz seine selbstgefällige “kreative” Interpretation bilden. Daten sprechen nicht  für sich selbst. Sie  müssen auch analysiert werden.  In  einem früheren Beitrag hatte ich  erläutert, wie diese Cot Daten am besten analysiert werden können.  Nun beobachte ich erneut, dass die großen Jungs und Mädels in New York glauben, dass diese Rally erst einmal immer noch weiter gehen wird.

Die meiste Zeit  sind sie, was viele naive Interpreten der Cot Daten übersehen,  jahrzehntelang short.  Denn sie sind ja “Hedger”, welche   riesige Aktienpakete durch Futures short absichern. Wenn sie aber ausnahmsweise einmal Null short oder sogar netto long sind, dann wissen sie etwas, was wir nicht wissen und was sie uns leider auch nicht mitteilen. Normalerweise – jetzt ausnahmsweise aber einmal nicht – handeln sie immer  antizyklisch:  bei steigenden Kursen ein paar mehr Shorts und bei fallenden Kursen etwas weniger  Shorts.  Alles doch eigentlich recht  langweilig und mühsam und die meiste Zeit auch wenig aussagekräftig, diese Absicherung großer Vermögen in Aktien durch Leerverkäufe in Futures. Nichts vom Zocken.  Spannend wird es nur, wenn sie einmal von diesem Verhalten abweichen. Dies ist jetzt der Fall.  Sie kaufen bei steigenden Kursen weiter, als ob es eine  große Rally gäbe, anstatt wie sonst bei steigenden Kursen ein paar Shorts zur Absicherung eines erreichten Gewinns zuzulegen.

Zwischen Dienstag, dem 16. Februar, und Dienstag, dem 23. Februar (Dienstag ist der Stichtag ihrer Pflichtmitteilungen an die Behörde), ist die NY Börse gestiegen. Die Commercials haben aber abweichend von ihrem üblich Verhalten die Shorts nicht aufgestockt.  Ich habe in die folgende Analyse, deren Chart ich hier mit Genehmigung von Jason Goepfert veröffentliche, eine senkrechte Linie  eingezeichnet. Sie markiert den mE einzigen vergleichbaren Zeitpunktzur heutigen Situation seit 2000 .

all-index commercials

Auch damals ging es vor dem Absturz, den  Prechter, Roubini und Shiller schon seit Jahren vorausgesagt hatten, der sich aber sehr “verspätete”, weil die Börsen einfach nicht auf diese Analytiker hören wollten, auch erst noch einmal eine Weile richtig gut aufwärts.  So auch jetzt?  Hmm,  KFEB bringt allerbeste Gründe, warum auf die große Erholung im Bärenmarkt noch einmal eine Ernüchterung folgen sollte. Und auch Börsentiger hat hier mehrfach zu Protokoll gegeben, dass er nach Anlaufen von 6000  noch mit tieferen Jahreskursen rechnet.  Abstürzen muss die Börse  irgendwann ja  mal wieder, weil die objektiven Bedrohungen  groß sind.   John ruft  sie uns  fast jeden Tag durch eine Sammlung negativ bestätigender Wirtschaftsnachrichten in Erinnerung, mit denen er seine kognitiven Dissonanzen reduziert, bevor er “eine neue Schippe Shorts”  aufnimmt.  Doch Börsentiger und ich meinen, dass Wirtschaftsnachrichten, wenn sie allgemein bekannt sind und kein Privileg von Insidern darstellen,  für das mehrwöchige Timing der Börse gänzlich wertlos sind.  Die Börse macht das, was unvermeidlich ist, immer nur auf Umwegen. Und dieser Umweg deutet jetzt erst einmal auf einen weiteren Schub nach oben hin.

Nun verlasse ich mich beileibe nicht nur auf diesen einen Indikator. Ich verdichte die zwanzig besten  Indikatoren echter Geldbewegungen, die ich in jahrelanger Beobachtung gefunden habe,  in einer ausgetüftelten, stets gleichen Methodik, die vor allem meine Emotionen beim Handeln von Futures mit echtem Geld  im Zaum halten soll,  zu einer einzigen Kennziffer. Diese 20 Indikatoren, die ein selbst gebasteltes Konstrukt eines Amateurs sind,  registriere ich  als Indizienbeweis jeden Tag nach Börsenschluss.  Aus dem Indizienbeweis wird dann am Ende jeder Woche ein richtiger Beweis, wenn auch die zurückliegenden Cot Daten mit Stichtag Dienstag  am Freitag nach Börsenschluss veröffentlicht werden.  Meine selbst gebastelten Indizien sagen zur Zeit: die Rally ist intakt; und die Commercials haben das eben bestätigt.  (Worin meine Methodik besteht, habe ich auf diesem Forum schon oft ausführlich erläutert, ohne allerdings alle Einzelheiten preisgeben zu können.)

Es empfiehlt sich,  dieses rein auf der Beobachtung von  Geldbewegungen beruhende Wissen mit der stärker fundamental  und charttechnisch orientierten Datenbank von Börsentiger zu kombinieren.  Denn wie er hier erläutert hat, war der Aufbau und ist die Pflege seiner Datenbank eine gewaltige Arbeit.  Ich bin froh,   dass Börsentiger diese Aufgabe geleistet hat und uns hier seine Ergebnisse mitteilt.

Auf der Basis meiner 20 Indikatoren habe ich schon am am 7. Februar hier eine Prognose unter dem Titel gewagt:  “Warum ist eine steile und nachhaltige Rally wahrscheinlich”.

http://trendgedanken.de/?cat=17

Auf der Grundlage meiner fortlaufend fortgeschriebenen Analysen hatte ich hier am 12. 2. getitelt:  ”Geldbewegungen  New York gestern so wie am 2. 11. 2009 – Die Rally kann weitergehen”.  Und am 16. 2. hatte ich gepostet  ”Die laufende Rally wird vom erfolgreichen großen Geld getragen”.  Seit den drei  Berichten  ist die Rally tatsächlich  weitergegangen. Vgl.

http://trendgedanken.de/?p=2518

http://trendgedanken.de/?p=2522

Ziemlich stetig war sie seitdem. Ob sie auch weiter nachhaltig bleibt, bleibt abzuwarten.  Die Großmächte des Marktes, die den Trend maßgeblich bestimmen,  sagen allerdings “ja” (siehe oben).

Was sagen im Augenblick meine 20 Indikatoren in ihrer zu einer einzigen Kennziffer verdichteten Datenbearbeitung und -reduktion? Im Anschluss an zwei Fehlsignale, die ich hier offen  präsentiert habe, habe ich meine  Dateninterpretation  noch einmal “optimiert”.  Das folgende Chart gibt  in dieser neuen Optimierung die Kaufsignale, Verkaufssignale und auch die ausgebliebenen Signale seit Dezember 2009.  Bei dieser Optimierung  soll und muss  es aber nun auch endgültig bleiben. Denn sonst überoptimiere ich mich zu Tode.  Analyse des Verhaltens der großen und erfolgreicher Gelder ist ein  intellektueller Sport, den ich als ein jetzt  im Ruhestand  lebender Professor für Analyse und Vergleich politischer Gebilde  nicht mehr politischen und sozialen Gebilden,  sondern der Börse widme.  Ich werde die Signale in der von nun an stets gleichbleibenden Optimierung (inclusive aller Fehlsignale)  hier eine Zeitlang  zur Diskussion stellen. Denn die Güte einer Methodik zeigt sich nicht so sehr im Backtest als vielmehr in veröffentlichten und somit nachprüfbaren Prognosen im Voraus.

Also, wie waren meine  Signale seit dem 10. Dezember 2009?.  In ein Chart der täglichen Kurse des S&P Mini Future zum amtlichen Börsenschluss um 22:00 MEZ habe ich diese Signale eingetragen.  Grün sind die Kaufsignale, rot die Verkaufssignale; ein gelbes Dreieck   markiert die  Fehlsignale; und eine hellblaues Dreieck markiert  vorübergehende kurzfristige  kleine Wendepunkte, für die es bei mir kein Signal gab.

signale ab Dezember 12

Das Kaufsignal vom 9. Februar (siehe auch meine 3 oben zitierten Postings)  ist immer noch intakt.

Doch halt, ein Video Interview mit Robert Prechter hat mich gestern  Nacht etwas weniger gut schlafen lassen. Er sagt erneut eine Deflation anstelle von Inflation mit neuem Aktiencrash voraus  und sieht einen langfristig steigenden US Dollar als Begleiterscheinung  einer Krise. Hmm,  ist  der schon seit Dezember wieder gestiegene USD vielleicht ein neuer Vorbote eines durch Staatsbankrotte ausgelösten bervostehenden neuen Crash? Auch 2008 ging ein Dollaranstieg dem Crash voraus.

http://finance.yahoo.com/tech-ticker/deflation-is-coming-and-there’s-nothing-bernanke-can-do-about-it-says-robert-prechter-430193.html?tickers=TIP,GLD,TBT,TLT,UUP,^DJI,^GSPC

Ein Blick auf den Verlauf der Hauptwährungen vor der Lehman Pleite schaffte mir Erleichterung. Damals fielen vor dem Crash alle Währungen zugleich gegen den USD.  Heute ist dagegen sein Anstieg nur der Schwäche des € geschuldet.  Wenn ihr wollt, stelle ich das Chart  ins Netz. Ferner rückt eine andere großartige Internetseite die Warnung von Prechter in die richtige Perspektive.  Diese Seite  prüft die Performance zahlreicher Gurus nach, die immer wieder von sich reden machen. Seit 2002 hat Prechter dann, wenn er ausnahmsweise mal in Aktien war und nicht nur immer Cash wegen des “unvermeidlichen” Crash empfahl, leider nur eine Trefferquote von 31% erzielt.

Ich gehe also lieber mit den Jungs und Mädels,  die das große Rad der “Commercials” im Futureshandel in New York drehen (siehe oben), jetzt erstmal weiter long.   In ein, zwei, drei oder was weiß ich in wievielen Wochen können dann dennoch die Scenarien von Börsentiger (erst noch einmal Dax 6000 und dann Jahrestiefstkurse ),  KFEB,  Roubini,  Prechter,  Gert Schmidt u. v. a. m. (ich denke da besonders an unsere einstweilen noch  leidgeprüften Freunde, die beiden  Permabären John und Schwallbacke) greifen. Dann sehen wir weiter…….

In der Zwischenzeit allen gute Punkte.

Herbert

PS: Obacht, bitte nicht einfach kaufen, wenn man von einer Rally überzeugt ist.  Nur in Schwäche kaufen und in Stärke verkaufen. Die Märkte laufen im Zickzack.  Es würde mich also nicht wundern, wenn Dochasi heute nachmittag wieder meldet, dass der Dax aber gefallen ist.

 

Kommentare

10 Antworten zu “Die Party long geht erstmal weiter – so denkt das erfolgreiche große Geld”
  1. cues sagt:

    Herbert, ich bleibe, dank ihrer Ausführungen wachsam. Allerdings bindet sich die aktuelle Aufwärtsbewegung perfekt in die Wellenzählung. Es ist noch nichts Entscheidendes passiert.

    cues.trendgedanken.de/?p=626 Daxanalyse

    Ob die Commercials nicht auch dem Wellenprinzip unterliegen? Wenn nicht, dann sollten übergeordnete D-Linien nach oben durchbrochen werden. Es bleibt spannend…

  2. dochasi sagt:

    denke kaum, dass ich so unangenehm aufgefallen bin,schreibe ja hauptsächlich bei Cues
    und da denke ich nicht nur Stumpfsinn- reite auf den Wellen und das ist gut so.Seit
    Freitag abend long und seit 5691 short. Bin etwas verwirrt ob ihrer Spitze

    • Gert Schmidt sagt:

      Vielleicht möchte Herbert die Diskussionsfreudigkeit wecken, indem er auf gegensätzliche Positionen verweist und zu Widerspruch oder Bestätigung reizt. ;-)

      Dass daraufhin kein Kommentar-Aufruhr stattfand 8)
      und sich die geneigten Leser weiterhin zurückhalten :-| ,
      schiebe ich darauf zurück, dass die Börsensituation in Irreale abdriftet, 8O
      angesichts der zahlreichen widersprüchlichen Nachrichten, Marktreaktionen, Marktindikatoren und der Aktivitäten der Entscheidungsträger in Politik und Wirtschaft.

      Es würde mich nicht wundern, wenn unter solchen Umständen Anleihen + Aktien gemeinsam fallen. Das würde zu den widersprüchlichen Entwicklungen passen – gab es jedoch schon lange nicht mehr. Aber das würde noch fehlen, um die Hilflosigkeit der Politik gegenüber dem Markt anzuzeigen.

      • dochasi sagt:

        irreal finde ich sie nicht und wenn man sich an gewisse Regeln hält(hier ist v.a Cues sehr
        hilfreich, lese aber auch godmode Trader sowie bei Wo Rüdiger Maass als auch den Thread
        des Users Legend-2000 dort) kann man in Kurzzeit ganz gute Gewinne einfahren. Ich trade
        natürlich nur mit kleineren Summen in Wirklichkeit,allerdings ist jedermann -auch Herbert
        eingeladen sich mein Tradingdepot bei Ariva.de anzusehen.Dort wurden aus 100.000
        Euro innerhalb von 4 Wochen 260.000 Euro- Pseudonym Mayr4.Aber wie gesagt mit
        Spielgeld ists einfach,wiewohl bei kleinerem Einsatz ich in Wirklichkeit auch nicht so
        schlecht gefahren bin,nur mit einem Zehntel des Einsatzes halt.Jede einzelne
        Transaktion hier festzuhalten machte ja auch keinen Sinn

        • Herbert sagt:

          Sehr gut, Dochasi.

          Wie lange bleiben Sie in der Regel im Markt drin? Kann man das bei arriva sehen? Geben Sie mal einen Link. Ich schaue mir das gerne an.

          Brauchen Sie überhaupt die Ratgeber, die Sie angeben? Folgen Sie nicht ihren eigenen praktischen Erfolgsregeln? Meist sind ja die elementarsten Regeln die besten, wenn sie auf die jeweilige Psyche des Traders zugeschnitten sind.

          Gruß und Glückwunsch,

          Herbert

    • Herbert sagt:

      :-) @ Dochasi: Ich beziehe mich auf Ihren Kommentar vom 16. 2.

      http://trendgedanken.de/?p=2520&cpage=1#comment-47083

      unmittelbar im Anschluss an meinen Beitrag. Er lautete: “gefallen ists ja schon, nach obgenannten Indikatoren müsste es jetzt gewaltig steigen”. Im Grund haben Sie ja trotz Skepsis goldrichtig gelegen :-)

      Oder was meinten Sie mit den ” oben genannten Indikatoren”. Die von Gert Schmidt legten doch damals gerade neue Shorts auf.

      Es kann durchaus sein, dass der Dax heute fällt. Ich mache keine Voraussagen fürs Daytrading. Nur für swings von 1-2 Wochen Minimum.

  3. Börsentiger sagt:

    @Herbert
    Nachdem ich zitiert wurde, möchte ich gleich noch einmal meine Meinung bekräftigen: Alle Kursrückgänge an den Aktienbörsen sind derzeit Kaufgelegenheiten. Nächstes Kursziel im SPX 1130 und im DAX 5850. Es gibt keine echten Alternativen zu Aktien. Übrigens mit den Voraussagen bekannter Börsengurus würde ich eher vorsichtig sein. Ich denke, dass dabei auch die Absicht zur Marktmanipulation dahinter steckt. Soros hat übrigens erst unlängst Gold als Riesenblase bezeichnet um dann selbst massiv in Gold einzusteigen.

  4. Herbert sagt:

    Die großartige Internetseite, welche die Performance vieler bekannter Market Timer über mehre Jahre hinweg dokumentiert (methodisch fair, aber objektiv wegen Null Performance der Gurs bis auf zwei oder drei bös enttäuschend) lautet:

    http://www.cxoadvisory.com/gurus/

    Ich hatte den Link in meinem Artikel erwähnt, aber versehentlich nicht eingespielt.

    Am schlechtesten schneidet Robert Prechter ab, das altmodische Oberhaupt von Opas Elliott Wellen Theorie. Cues ist da als moderne Variante viel besser. Als ich Prechter mal abonniert hatte (ich erwähnte da schon mal früher) habe ich damit nur Geld verloren