Die vollautomatische Depotabsicherung mit CFDs
Da ich hier z.T. ungläubiges Staunen, sarkastische Bemerkungen (wg. kurzfristiger DAX-Korrektur und meiner mittelfristigen Long-Ausrichtung) oder große Ängste (Marcel) beobachtet habe, werde ich anhand der aktuellen Ereignisse eine Anleitung für optimale Depotabsicherung publizieren und ich hoffe damit alle Unklarheiten beseitigt zu haben. Für CFDs ist allerdings die Termingeschäftsfähigkeit erforderlich und das könnte möglicherweise für den einen oder anderen zur Hürde werden.
Ich erkläre das Ganze anhand eines Beispiels:
Also ich rechne z.B. im DAX für die nächsten Monate mit steigenden Kursen.
1. Schritt Kauf ETF long auf DAX, Hebel 2 bei vorübergehender Marktschwäche. Das Papier liegt also im Depot und wartet auf bessere Zeiten. Theoretisch kann man unbegrenzte Zeit auf steigende Kurse warten.
2. Schritt. Absicherung des ETF gegen Marktschwäche oder Korrekturen im DAX mit CFDs (Contract for Difference)auf einer entsprechenden Online-Plattform.
Warum ausgerechnet CFDs? Weil man bei CFDs exakt im DAX-Chart mit 2 Mausklicks eine oder mehrere Orders platzieren kann. Man ruft also den DAX-Chart auf und zeichnet mit Hilfe des Programms am Bildschirm die Unterstützungslinien oder Pivot-Points oder die persönliche Verlusttoleranzschwelle, Angstschwelle oder was auch immer nach Lust und Laune und legt somit fest wie weit der DAX fallen darf, ohne dass etwas unternommen wird. Nun platziert man eine oder abgestuft mehrere Short-Limitorders unterhalb der Unterstützungslinie oder einer bestimmten Marke. Ganz wichtig: Nur mit engem Trailing Stop. Bei Trailing Stops wird das Limit stufenweise dem Kursverlauf nachgezogen. Wenn das erledigt ist, greift man nicht mehr ein. Man möchte ja auch einmal raus aus der Wohnung und nicht permanent vor dem Schirm sitzen. Außerdem gibt es Overnight-Gaps und überraschende Hiobsbotschaften, die niemand voraussehen kann. Ich setze generell mehrere Short-Limitorders d.h. je stärker der DAX-Absturz ist, desto mehr wird die Short-Ausrichtung verstärkt (the trend is your friend!). Durch die Trailing Stops laufen die Positionen solange in den Gewinn, solange der Absturz anhält. Kommt es zur Gegenbewegung werden die Positionen automatisch durch das Programm mit Gewinn glattgestellt. Wird die Unterstützungslinie nur kurz unterfahren, kommt es nur zu einem minimalen Verlust (wg. Trailing Stop), den man leicht verschmerzen kann. Natürlich muss man die Short-Absicherung am besten täglich neu eingeben und auch mit entsprechendem Abstand zu den aktuellen Kursen, damit die Sache nur im Notfall schlagend wird. Das muss allerdings jeder selbst herausfinden. Damit schläft man immer ruhig und Ängste gehören der Vergangenheit an. Diese Taktik sollte natürlich mit entsprechenden Positionsgrößen gespielt werden und nicht mit ein paar hundert Euro. Die Laufzeit bei CFDs ist unbestimmt und Shortpositionen sind wesentlich spesengünstiger als Longpositionen, weil ja keine Zinsen für eingegangene Positionen verrechnet werden (keine Finanzierungskosten!). Es hat sich bei mir bewährt bei dieser Taktik einen Hebel von 20 einzusetzen, weil man dabei nicht zu viel Kapital einsetzen muss.
DANKSAGUNG AN DAS FORUM
Ich möchte meinen ausdrücklichen Dank jenen aussprechen, die mich in meiner unverbrüchlichen LONG-Einstellung seit Sommer dieses Jahres immer wieder völlig ignoriert oder sogar kritisiert haben, denn das hat mir die letzte Gewissheit gegeben, weiter eisern an meiner LONG-Strategie mit nur kurzen Absicherungsperioden festzuhalten und dieses Jahr sehr erfolgreich abzuschließen. Eine allgemeine Solidarisierung mit meiner Meinung wäre zwar menschlich positiv, aber für meinen Anlageerfolg durchaus eher nachteilig gewesen. Mehrheitlich pessimistische oder negative Kommentare sind für mich letztlich immer der Nährboden für steigende Börsen, weil sie den letzten Beweis erbringen, dass die Masse der Anleger unterinvestiert bleibt und erst später auf den fahrenden Zug aufspringt, wenn sie sich sicherer fühlen. Der „normale“ Anleger kauft an der Börse zu spät, verkauft an der Börse zu spät und bemerkt seine Kursverluste zu spät. Irgendwann bemerkt er, dass er alles zu spät macht und wird dann zum frustrierten Nervenbündel mit Aggressionen gegen alle, die es vielleicht anders gemacht haben könnten. Dann kommen allerdings Beruhigungspillen von den „Fachleuten“ aus den Banken, die behaupten, dass Timing völlig unmöglich wäre. Also schafft es im Grunde genommen niemand und das beruhigt natürlich das geschundene Nervengerüst wieder.
Ich habe es längst aufgegeben vergangenheitsbezogene, wirtschaftliche Kennzahlen detailliert zu analysieren (kenne auch wenig echte Gründe dafür) und befasse mich viel mehr mit Erwartungen und Financial Behaviour. Das macht garantiert mehr Sinn. In Umfragen haben 57% der Befragten Sicherheit als wichtigste Voraussetzung für ihre Geldanlage angegeben und davon war man im Jahre 2009 nach Meinung breiter Bevölkerungsschichten Lichtjahre entfernt. Die Subprime-Krise hatte eine panikartige Risikoaversion vieler Investoren und Kleinanleger hervorgerufen, diese von der Börse wie ein scheues Wild vertrieben und Aktien in absurde Tiefen gedrückt. Die Erwartungen waren für 2009 fast schon unterirdisch, z.T. apokalyptisch und Börsenoptimismus wurde dabei sogar teilweise mit Schwachsinn gleichgesetzt (geradezu paradiesische Zustände für einen Contrarian!). Alternative Ratschläge, wie etwa Goldbarren im Garten zu vergraben, fanden allerdings sofort eine voll zustimmende und wachsende Anhängerschar und der Glaube, dass der Goldpreis demnächst auf 2000 USD hochspringen würde, führte zum sofortigen Heißlaufen der Münzprägemaschinen. Da die Masse die Lage praktisch immer falsch einschätzt, war leicht vorauszusehen was kommen musste. Nun, es ist hoffentlich allen klar, dass es sich dabei absolut nicht (!) um Anzeichen einer wachsenden Spekulationsblase bei Aktien gehandelt hat.
In so einer Situation kommen die schlimmsten Prognosen zu den Aktienmärkten natürlich von jenen bereits Crashgeschädigten, denen der Schreck noch in den Gliedern sitzt oder von notorischen Sparbuchfanatikern (sehr oft also auch von Wirtschaftsprofessoren!), mit heimlicher Schadenfreude (ich habe euch ja immer schon gewarnt!) von bereits vermögenslosen Journalisten, Analysten und Bloggern oder von Baissespekulanten. Zur Vermeidung kognitiver Dissonanz sind manche dann bereit, enorm viel Zeit zu investieren um ihre negative Einstellung mit allen möglichen News und auch mit Zahlen und Fakten aus der Mottenkiste zu untermauern, obwohl sie meistens ihr Geld am Sparbuch parken oder erfolglos mit kleinen Beträgen gegen den Trend spekulieren. Es ist natürlich völlig sinnlos gegen einen Trend anzukämpfen oder bei Nachrichten zu agieren, wenn die Kurse längst reagiert haben. Aber wie auch immer, die Menschen sind eben mehrheitlich so veranlagt und finden immer wieder neue Begründungen hierfür. Es muss schließlich auf Biegen und Brechen bewiesen werden, dass die eigene Meinung richtig ist und diese verrückten Optimisten falsch liegen. Wenn andere diesen Pessimismus auch noch belobigen oder bejubeln und sich begeistert solidarisieren (wie in diesem Forum auch öfter beobachtet), kann man aus all dem erfolgreich Schlüsse ziehen. Der größte Beifall kommt meist von jenen, die zum falschen Zeitpunkt investiert haben und zu spät ausgestiegen sind, viel Geld verloren haben und sich heimlich wünschen, dass diese nervenden Optimisten nun endlich in den Abgrund stürzen mögen oder im Höllenfeuer schön langsam verbrennen und auch die gerechte Strafe für ihre „Fehleinschätzung“ bekommen sollten.
Ich persönlich fürchte an den Börsen allerdings nur die wachsende Begeisterung oder die Euphorie der Massen und die hat es in diesem Jahr höchstens bei Edelmetallen gegeben. Wenn alle 2009 guter Stimmung gewesen wären und die Zukunft in rosigen Farben gesehen hätten, dann wäre mir allerdings gleich ein ordentlicher Schreck in die Glieder gefahren. Mit Sicherheit wäre der Aufwärtstrend dann rasch zum Stillstand gekommen, da dann alle ihr Pulver umgehend verschossen hätten und kaum mehr das notwendige Kapital für steigende Kurse vorhanden gewesen wäre. Alle, die voll an den Börsen investiert sind, werden schon aus rein wirtschaftlichen und psychologischen Gründen niemals negative Statements über die zukünftige Börsenentwicklung abgeben.
Ich war seit Ende Juli die meiste Zeit voll investiert und konsequent auf steigende Kurse ausgerichtet und habe das auch hier nicht verheimlicht. Wenn man sich mit dieser Einstellung einsam fühlt, die pessimistische Stimmung unverkennbar in der Luft liegt und aus fast allen Statements in den Medien und Foren Ängste zum Ausdruck kommen, liegt man mit einer solchen Long-Einstellung praktisch immer richtig. Wir haben jetzt die erste Phase eines Bullenmarktes hinter uns. In dieser Phase kümmern sich die Akteure in erster Linie um Vergangenes, lecken permanent ihre Wunden und sehen konsequent überall negative Entwicklungen und eine Verschwörung des Großkapitals. Das ist nach Analyse vergangener Börsencrashes immer (!) der Fall. Man ist davon überzeugt, dass die Schrecken vergangener Kursstürze erst ihr endgültiges apokalyptisches Finale finden müssen, ohne zu bemerken, dass das Pendel längst in eine andere Richtung schlägt. Die von mir bereits bei der Hälfte des Jahres erkannten Parallelen zwischen 2003 und 2009 kann sich jetzt jeder noch einmal auf der Seite www.langfristcharts.de abrufen. Es kann auch nicht schaden sich den Verlauf des Jahres 2004 anzusehen und Schlüsse für 2010 zu ziehen. Meine in diesem Jahr wiederholten Aufrufe bei Marktschwächen endlich einzusteigen, sind völlig verhallt und wurden bestenfalls abfällig kommentiert. Da im ganzen Jahr 2009 in allen europäischen und amerikanischen Foren die Endzeitstimmung fühlbar war und die zittrigen Hände sich mit ihren Sparbuch- und Festgeldinvestitionen eng solidarisierten, die Konsumquote trotzdem weitgehend gehalten hat, aber gleichzeitig die Notenbanken unvorstellbare Geldlawinen produzierten, war eines sonnenklar:
DIE BÖRSE MUSSTE STEIGEN!
Es sagt zwar die Logik, dass der Geldstrom letztendlich dorthin muss, wo die meisten Erträge winken, aber wenn die Ängste überwiegen, nützen die besten Argumente bei den meisten Menschen absolut nichts. 2010 werden wir mit hoher Wahrscheinlichkeit schwierigere Zeiten an den Aktien- und Rohstoffmärkten erleben. Die ganz große Chance ist vorderhand einmal vorbei. Die von allen so geschätzten, hochbezahlten „Experten“ und Bonusmaximierer aus den Banken geben -im Gegensatz zu 2009- nun zuversichtliche Börsenprognosen und sehen in 2010 ein Hoffnungsjahr. Immerhin für mich schon ein sehr triftiger Grund um mich sofort massiv zu ängstigen und Aktienpositionen augenblicklich zurückzufahren. Wir werden jetzt langsam in die 2. Phase des Bullenmarktes eintreten, wo die Wirtschaft gegenüber einer davongelaufenen Börse aufholen muss, die Zinsen angepasst werden und Maßnahmen gegen die Staatsverschuldungen gesetzt werden müssen. In dieser Phase ist mit hoher Volatilität zu rechnen, da die Wirtschaft sich erst langsam nach einem reinigenden Gewitter erholt und immer mehr Ängstliche und Pessimisten (zuerst ganz vorsichtig und eher im Geheimen- ohne es warnenden Stimmen in der Familie und bei Freunden mitzuteilen) die Seiten wechseln werden. Die Beunruhigung und die Furcht nach gar schrecklichen Blitzen und lautem Donner lassen jetzt eindeutig allgemein nach und man beginnt langsam die ersten Sonnenstrahlen zu erkennen. Die Kaufempfehlungen werden wieder zunehmen und totgesagte Börsenbriefschreiber, Analysten und Kommentatoren werden urplötzlich wieder aus ihrem Koma erwachen. Wenn die Ängstlichen endlich ihren ganzen Mut zusammengenommen haben und ihre ersten Aktien- und Rohstoffengagements todesmutig wieder in Angriff genommen haben, dann wird die nächste ordentliche Korrektur fällig sein und neuerlich werden unsere geschätzten „Bankexperten“ verkünden, dass damit der Beweis erbracht ist, dass Timing eben nicht möglich ist. In diesem Sinne hoffe ich aber auch im nächsten Jahr ein einsamer Rufer in der Wüste zu bleiben und bei Panik und Euphorie stets die Gegenposition einzunehmen.
Also daher allen einen guten Rutsch und natürlich mehr Profit 2010.
PS: Ich verabschiede mich nun in den Urlaub nicht ohne einen kleinen Hinweis zu geben: Nach Feiertagen kommt es sehr oft zu einem Trendwechsel. Also alle sollten jetzt eher auf der Hut sein und nicht sich durch zu rosig gefärbte Prognosen für 2010 neuerlich täuschen lassen.
FINANCIAL BEHAVIOUR
FINANCIAL BEHAVIOUR
Der Aufforderung nach einer Dokumentation von Forschungsergebnissen möchte ich aus gegebenem Anlass mit ein paar Erkenntnissen der Finanzpsychologie nachkommen. Es gibt dabei einige typische menschliche Verhaltensweisen, die tendenziell zu Verlusten führen. Alle diese Verhaltensweisen liegen in der Natur des Menschen, das Angenehme zu suchen und das Unangenehme zu meiden.
1) Vermeidung kognitiver Dissonanz. Wir suchen nur jene Nachrichten und Fakten, die unsere VORGEFASSTE Meinung bestätigen. Andere Einflüsse, die zu einer realistischeren Einschätzung des Marktes führen, werden ignoriert (selektive Wahrnehmung).
2) Rechthaberei. Falls die Prognose nicht stimmt, wird nach allen möglichen Ausreden gesucht. Dann hat entweder der Markt nicht Recht oder die Methode hat kurzfristig versagt oder die Prognose ist zwar richtig aber der Markt hat noch nicht richtig reagiert. Jeder kann Politiker nach einer verlorenen Wahl beobachten: Die Politik wäre zwar richtig gewesen, aber das Wahlvolk bräuchte noch Zeit um den richtigen Weg zu erkennen.
3) Ziele werden uminterpretiert. Das Ziel ist plötzlich nicht mehr die höchstmögliche Rendite oder die zutreffendste Prognose, sondern die bestmögliche Erklärung für gescheiterte Trades.
4) Vernachlässigte Ursachenforschung. Die Suche nach Ursachen für fehlerhafte Trades wird unterlassen. Verluste führen zu keinem Lerneffekt. Misserfolge werden ausgeblendet, weil die Erinnerung an erfolgreiche Trades viel angenehmer ist.
5) Trennungsschmerz. Wir trennen uns zu spät von den Verlierern, von den erfolglosen Aktien in unseren Depots, da die Verlustrealisierung als Niederlage empfunden wird.
6) Euphorie. Wir empfinden es als Glücksgefühl schon kleine Gewinne zu realisieren. Daraus folgt Gewinne werden zu rasch, Verluste zu spät realisiert.
Ist Börsenerfolg vom Wissen abhängig?
Wissen ist Macht, aber keiner weiß alles. Gerüchte, Meinungen und Analysen beeinflussen die Kurse, insgesamt ist aber die allgemeine Stimmung entscheidend. Informationen aus verschiedenen Quellen sind notwendig, aber man sollte nicht vergessen, dass die Zeiten des größten Pessimismus immer die besten Kaufgelegenheiten waren.
In allen Rezessionen seit dem zweiten Weltkrieg gab es eine Hausse und warum sollte es dieses Mal anders sein. Haussemärkte beginnen im Pessimismus, wachsen im Zweifel und enden in der Euphorie. Das gilt immer und man sollte Kommentare, die etwas anderes behaupten, gleich in den Müll werfen. Die Börse kann nur auf den Stufen der Angst oder auf der Leiter der Unsicherheit wirklich in die Höhe steigen.
Verlässt man sich auf Bankberater in der Einschätzung der Börsenentwicklung ist man im wahrsten Sinne des Wortes verlassen. Die Banken fördern nur das zyklische und damit meistens falsche Verhalten der Anleger. Sie empfahlen Aktienfonds als der deutsche Aktienindex DAX im Jahr 2000 irre überbewertet bei über 8000 Punkten stand und Geldmarktfonds mit 2% Rendite als der Dax 3 Jahre später bei 2.200 Punkten notierte und zu diesem Zeitpunkt mit Aktien quasi im Schlaf ein gewaltiges Vermögen zu machen gewesen wäre.
Zu Beginn des Jahres 2003 lag das Geld an den Börsen praktisch auf der Straße und natürlich (wie immer) nur Hartgesottene erkannten es. Und wieder genau das gleiche Szenario im März 2009. Das Sparbuch und Garantieprodukte wurden den Anlegern nahe gelegt und schon startete mitten im Katastrophenszenario eine beispiellose Aktienhausse.
Werden von Bankanalysten fallende Kurse vorausgesagt, bedeutet das, dass genau diese Propheten auf einem Berg von Liquidität sitzen und sich daher günstige Einstiegskurse herbeireden wollen. Und wieder sind fast alle in die Falle gegangen und den falschen Propheten nachgerannt. Ohne warnende Stimmen von Börsianern, Journalisten oder Analysten, kann es keine anziehenden Kurse geben. Wenn sich alle plötzlich wohl und zufrieden fühlen, alle Kassandras schweigen und überall steigende Kurse vorausgesagt werden, erst dann wird es kritisch und gefährlich für das Anlagevermögen, weil bereits alle investiert sind.
Man muss daher skeptisch werden, wenn die ersten Schalmeientöne erklingen und das ist wahrscheinlich in einigen Wochen der Fall. Bäume wachsen nicht in den Himmel. Es ist auch dieses Mal nicht anders. Es ist ganz sicher niemals anders, sondern ein ehernes Gesetz, dass bei wachsend positiver Stimmung die Gefahr eines Umschwunges mit jedem Tag steigender Kurse wächst.
Wenn die ganze Anlegerschar in eine Richtung läuft, sollte man spätestens das Gegenteil machen. Wenn alle Stimmen, die immer vor dem Risiko der Börse und der Spekulation gewarnt haben, verstummt sind und Börsengewinne in aller Munde sind, dann denke ich an Sparbuch und Bargeld. Auch die so genannten Fachleute schwimmen mit dem Strom und sind nicht wirklich in der Lage antizyklisch zu investieren. Man sollte es trotzdem versuchen, wenn man erfolgreich sein will. Langjährige Börsenerfahrung hilft natürlich die Lage besser einzuschätzen, denn nur ein gebranntes Kind kann mit dem Feuer richtig umgehen. Aber jeder hat einmal angefangen und es fällt kein Meister vom Himmel.
Nur wer fähig ist sich an den Finanzmärkten von der Masse deutlich abzuheben, bekommt die Chance auf überdurchschnittliche Gewinne. Nur wer fähig ist, Nachrichten und Informationen und seine vertraute Welt mit Abstand aufzunehmen und auch seine Gefühlswelt von Entscheidungen an den Börsen abzukoppeln, wird entscheidend erfolgreich sein können.
Nächste Woche wird es interessant!
Viele Aktienindizes sind in der Nähe ihres Jahreshöchst und ein nachhaltiger Sprung darüber oder ein Abprallen nach unten, könnte zu einer wichtigen Entscheidung für die weitere Trendrichtung werden.
Nun werden in der kommenden Woche zahlreiche Unternehmen ihre Q3-Ergebnisse veröffentlichen. Ich habe Hinweise von Trader-Kollegen aus den USA, dass verschieden Banken wie z.B. Goldman Sachs, JP Morgan und Citigroup überraschend positive Ergebnisse vorlegen könnten. Ich betone, das sind Gerüchte, aber wir werden in wenigen Tagen sehen, ob etwas Wahres daran ist.
Die Börse ist zweifellos schon etwas heiß gelaufen, aber der S&P könnte sich dann Richtung 1122 aufmachen. Bei dieser Marke liegt das 50% Retracement des Bärenmarktes und diese Marken haben starke Anziehungskraft.
Prognose:
kurzfristig: aufwärts
mittelfristig: aufwärts
langfristig: abwärts
Geht die Rally weiter?
Ich persönlich gebe gern konkrete Prognosen ab und nicht nebulose Statements wie “kräht der Hahn am Mist, ändert sich das Wetter, oder es bleibt wie es ist. Diese konkreten Prognosen zwingen einen auch selbst die Anlagestrategie danach auszurichten und nicht dauernd die Meinung zu ändern. Niemand ist vor Irrtümern gefeit aber ich traue mich zu behaupten, dass ich öfter richtig als falsch liege.
Wie ich bereits mehmals angemerkt habe, bin ich der Meinung, dass das Jahr 2003 und das Jahr 2009 chartmäßig bei den Aktienindizes sich weitgehend gleichen werden, nämlich in Form eines weitgehend ungebremsten Aufwärtstrends vom März bis Ende des Jahres (the trend is your friend !). Schon Kostolany hat geschrieben, dass Volkswirtschaft und Betriebswirtschaft die größten Feinde der Börsenlogik sind. Was an der Börse logisch ist, scheint Otto Normalverbraucher oft unlogisch. In der Rezession steigen Aktien, weil das zur Verfügung stehende Geld einfach keine andere oder bessere Verwendung findet. Entscheidend sind nicht volkswirtschaftliche Daten sondern Liquidität und Stimmung des Anlagepublikums. Die Statements von Wirtschaftsjournalisten, warum die Börse gestern gefallen oder gestiegen ist, kann man am besten gleich vergessen. Das ist weitgehend nutzlos.
Wir haben in diesem Jahrzehnt 2 Crashes und einen danach folgenden wahrlich panikartigen Ausverkauf erlebt. 2003 und 2009 hat die Panik im März zu einem absoluten Tiefstand an den Börsen geführt. Stimmungsmäßig und liquiditätsmäßig gleichen die Jahre einander weitgehend mit dem einen Unterschied, dass der Geldhahn dieses Mal noch viel mehr aufgedreht wurde (eine wahre Geldschwemme mit heißlaufenden Notenpressen!). Es ist einmalig in der Geschichte der Börse, dass zwei Mal mit einem Abstand von nur 6 Jahren der Markt in einer Panik völlig bereinigt wurde und in einer extremen Unterbewertung landete. Diese Unterbewertung ist nun abgebaut aber Trends enden ja bekanntlich erst, wenn auch noch die Zweifler und Ängstlichen ihre Meinung ändern und plötzlich einsteigen wollen. Dann könnte letztlich auch noch die Basis für eine Euphorie geschaffen werden. So weit sind wir noch lange nicht. Nun kommt auch noch das baldige Jahresende. Viele Fonds stecken in einer üblen Situation, da sie eine entsprechende Performance im Vergleich zu einer Benchmark abliefern sollten und waren aber bis zum Sommer eher unterinvestiert. Da wird nichts anderes überbleiben, als bei jedem Kursrückgang zu kaufen, was das Zeug hält.
Der nächste Punkt, wo ich mich mit einer Prognose festlege, ist eine in den nächsten Jahren steigende Inflationsrate. Die explodierende Geldmenge insbesondere in den USA wird bei anziehender Konjunktur auf ausgelastete Produktionskapazitäten treffen und dann die entsprechenden Preissteigerungen provozieren. Die Rohstoffpreise sind natürlich von der Stärke der Nachfrage und der Dynamik der kommenden Konjunktur abhängig aber insbesondere bei Agrarrohstoffen gibt es noch weitere Faktoren. Die Weltbevölkerung wächst jährlich um ca. 80 Millionen, also kommt jährlich zahlenmäßig ein ganzes Deutschland dazu. Nun wollen auch noch die Chinesen plötzlich Fleisch und Milchprodukte essen. So ein Rind, ein Schwein oder ein Huhn braucht aber Unmengen an Agrarrohstoffen bis es im Kochtopf landet. Zu guter letzt will man auch noch Biotreibstoffe produzieren. Also das Ganze kann sich schon bald nicht mehr ausgehen. Da werden die Preise bei besserer Konjunktur sicher in die Höhe gehen. Erdöl ist allerdings genug vorhanden. Da würde ich am ehesten eine Shortposition wagen. Vermutlich haben wir kurzfristig oder auch längerfristig bald eine Überangebot.
Als Absicherung gegen Inflation ist natürlich die Investition in Edelmetalle naheliegend. Gold ist jetzt durch ein paar Nachrichten hochgejubelt worden. Ich habe heute im Amex Gold Bugs ETF Gewinne realisiert aber rechne nach einer Konsolidierung prinzipiell mit weiter steigenden Preisen.




